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Asylverfahrensgesetz (AsylVfG)
in der Fassung der Bekanntmachung vom 27. Juli 1993 (BGBl. I S. 1361), zuletzt
geändert durch Art. 2 des Gesetzes zur Änderung ausländer-
und asylverfahrensrechtlicher Vorschriften vom 29. Oktober 1997 (BGBl. I
S. 2584)
Erster Abschnitt
Allgemeine Bestimmungen
§ 1 Geltungsbereich
(1) Dieses Gesetz gilt für Ausländer, die Schutz als politisch
Verfolgte nach Artikel 16a Abs. 1 des Grundgesetzes oder Schutz vor Abschiebung
oder einer sonstigen Rückführung in einen Staat beantragen, in
dem ihnen die in § 51 Abs. 1 des Ausländergesetzes bezeichneten
Gefahren drohen.
(2) Dieses Gesetz gilt nicht
1. für heimatlose Ausländer im Sinne des Gesetzes über die
Rechtsstellung heimatloser Ausländer im Bundesgebiet in der im
Bundesgesetzblatt Teil III, Gliederungsnummer 243-1, veröffentlichten
bereinigten Fassung, zuletzt geändert durch Artikel 4 des Gesetzes vom
9. Juli 1990 (BGBl. I S. 1354),
2. für Ausländer im Sinne des Gesetzes über Maßnahmen
für im Rahmen humanitärer Hilfsaktionen aufgenommene Flüchtlinge
vom 22. Juli 1980 (BGBl. I S. 1057), zuletzt geändert durch Artikel
5 des Gesetzes vom 9. Juli 1990 (BGBl. I S. 1354).
§ 2 Rechtsstellung Asylberechtigter
(1) Asylberechtigte genießen im Bundesgebiet die Rechtsstellung nach
dem Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli
1951 (BGBl. 1953 II S. 559).
(2) Unberührt bleiben die Vorschriften, die den Asylberechtigten eine
günstigere Rechtsstellung einräumen.
(3) Ausländer, denen bis zum Wirksamwerden des Beitritts in dem in Artikel
3 des Einigungsvertrages genannten Gebiet Asyl gewährt worden ist, gelten
als Asylberechtigte.
§ 3 Rechtsstellung sonstiger politisch Verfolgter
Ein Ausländer ist Flüchtling im Sinne des Abkommens über die
Rechtsstellung der Flüchtlinge, wenn das Bundesamt oder ein Gericht
unanfechtbar festgestellt hat, daß ihm in dem Staat, dessen
Staatsangehörigkeit er besitzt oder in dem er als Staatenloser seinen
gewöhnlichen Aufenthalt hatte, die in § 51 Abs. 1 des
Ausländergesetzes bezeichneten Gefahren drohen.
§ 4 Verbindlichkeit asylrechtlicher Entscheidungen
Die Entscheidung über den Asylantrag ist in allen Angelegenheiten
verbindlich, in denen die Anerkennung oder das Vorliegen der Voraussetzungen
des § 51 Abs. 1 des Ausländergesetzes rechtserheblich ist. Dies
gilt nicht für das Auslieferungsverfahren.
§ 5 Bundesamt
(1) Über Asylanträge entscheidet das Bundesamt für die Anerkennung
ausländischer Flüchtlinge. Es ist nach Maßgabe dieses Gesetzes
auch für ausländerrechtliche Maßnahmen und Entscheidungen
zuständig.
(2) Über den einzelnen Asylantrag einschließlich der Feststellung,
ob die Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 des Ausländergesetzes vorliegen,
entscheidet ein insoweit weisungsungebundener Bediensteter des Bundesamtes.
Der Bedienstete muß mindestens Beamter des gehobenen Dienstes oder
vergleichbarer Angestellter sein. Das Bundesministerium des Innern kann durch
Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates auch lebensältere Beamte
des mittleren Dienstes zulassen, die sich durch Eignung, Befähigung
und fachliche Leistung auszeichnen und besondere Berufserfahrung besitzen.
(3) Das Bundesministerium des Innern bestellt den Leiter des Bundesamtes.
Dieser sorgt für die ordnungsgemäße Organisation der
Asylverfahren.
(4) Der Leiter des Bundesamtes soll bei jeder Zentralen Aufnahmeeinrichtung
für Asylbewerber (Aufnahmeeinrichtung) mit mindestens 500
Unterbringungsplätzen eine Außenstelle einrichten. Er kann in
Abstimmung mit den Ländern weitere Außenstellen einrichten.
(5) Der Leiter des Bundesamtes kann mit den Ländern vereinbaren, ihm
sachliche und personelle Mittel zur notwendigen Erfüllung seiner Aufgaben
in den Außenstellen zur Verfügung zu stellen. Die ihm zur
Verfügung gestellten Bediensteten unterliegen im gleichen Umfang seinen
fachlichen Weisungen wie die Bediensteten des Bundesamtes. Die näheren
Einzelheiten sind in einer Verwaltungsvereinbarung zwischen dem Bund und
dem Land zu regeln.
§ 6 Bundesbeauftragter
(1) Beim Bundesamt wird ein Bundesbeauftragter für Asylangelegenheiten
bestellt.
(2) Der Bundesbeauftragte kann sich an den Asylverfahren vor dem Bundesamt
und an Klageverfahren vor den Gerichten der Verwaltungsgerichtsbarkeit
beteiligen. Ihm ist Gelegenheit zur Äußerung zu geben. Gegen
Entscheidungen des Bundesamtes kann er klagen.
(3) Der Bundesbeauftragte wird vom Bundesministerium des Innern berufen und
abberufen. Er muß die Befähigung zum Richteramt oder zum höheren
Verwaltungsdienst haben.
(4) Der Bundesbeauftragte ist an Weisungen des Bundesministeriums des Innern
gebunden.
§ 7 Erhebung personenbezogener Daten
(1) Die mit der Ausführung dieses Gesetzes betrauten Behörden
dürfen zum Zwecke der Ausführung dieses Gesetzes personenbezogene
Daten erheben, soweit dies zur Erfüllung ihrer Aufgaben erforderlich
ist.
(2) Die Daten sind beim Betroffenen zu erheben. Sie dürfen auch ohne
Mitwirkung des Betroffenen bei anderen öffentlichen Stellen,
ausländischen Behörden und nichtöffentlichen Stellen erhoben
werden, wenn
1. dieses Gesetz oder eine andere Rechtsvorschrift es vorsieht oder zwingend
voraussetzt,
2. es offensichtlich ist, daß es im Interesse des Betroffenen liegt
und kein Grund zu der Annahme besteht, daß er in Kenntnis der Erhebung
seine Einwilligung verweigern würde,
3. die Mitwirkung des Betroffenen nicht ausreicht oder einen
unverhältnismäßigen Aufwand erfordern würde,
4. die zu erfüllende Aufgabe ihrer Art nach eine Erhebung bei anderen
Personen oder Stellen erforderlich macht oder
5. es zur Überprüfung der Angaben des Betroffenen erforderlich
ist.
Nach Satz 2 Nr. 3 und 4 sowie bei ausländischen Behörden und
nichtöffentlichen Stellen dürfen Daten nur erhoben werden, wenn
keine Anhaltspunkte dafür bestehen, daß überwiegende
schutzwürdige Interessen des Betroffenen beeinträchtigt werden.
§ 8 Übermittlung personenbezogener Daten
(1) Öffentliche Stellen haben auf Ersuchen (§ 7 Abs. 1) den mit
der Ausführung dieses Gesetzes betrauten Behörden ihnen bekannt
gewordene Umstände mitzuteilen, soweit besondere gesetzliche
Verwendungsregelungen oder überwiegende schutzwürdige Interessen
des Betroffenen nicht entgegenstehen.
(2) Die zuständigen Behörden unterrichten das Bundesamt
unverzüglich über ein förmliches Auslieferungsersuchen und
ein mit der Ankündigung eines Auslieferungsersuchens verbundenes
Festnahmeersuchen eines anderen Staates sowie über den Abschluß
des Auslieferungsverfahrens, wenn der Ausländer einen Asylantrag gestellt
hat.
(2a) Die mit der Ausführung dieses Gesetzes betrauten Behörden
teilen Umstände und Maßnahmen nach diesem Gesetz, deren Kenntnis
für die Leistung an Leistungsberechtigte des Asylbewerberleistungsgesetzes
erforderlich ist, sowie die ihnen mitgeteilten Erteilungen von
Arbeitserlaubnissen an diese Personen und Angaben über das Erlöschen,
den Widerruf oder die Rücknahme der Arbeitserlaubnisse den nach §
10 des Asylbewerberleistungsgesetzes zuständigen Behörden mit.
(3) Die nach diesem Gesetz erhobenen Daten dürfen auch zum Zwecke der
Ausführung des Ausländergesetzes und der gesundheitlichen Betreuung
und Versorgung von Asylbewerbern sowie für Maßnahmen der
Strafverfolgung und auf Ersuchen zur Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten
den damit betrauten öffentlichen Stellen, soweit es zur Erfüllung
der in ihrer Zuständigkeit liegenden Aufgaben erforderlich ist,
übermittelt und von diesen dafür verarbeitet und genutzt werden.
Sie dürfen an eine in § 35 Abs. 1 des Ersten Buches Sozialgesetzbuch
genannte Stelle übermittelt und von dieser verarbeitet und genutzt werden,
soweit dies für die Aufdeckung und Verfolgung von unberechtigtem Bezug
von Leistungen nach dem Bundessozialhilfegesetz, von Leistungen der Kranken-
und Unfallversicherungsträger oder von Arbeitslosengeld oder
Arbeitslosenhilfe erforderlich ist und wenn tatsächliche Anhaltspunkte
für einen unberechtigten Bezug vorliegen. § 77 Abs. 1 bis 3 des
Ausländergesetzes findet entsprechende Anwendung.
(4) Eine Datenübermittlung auf Grund anderer gesetzlicher Vorschriften
bleibt unberührt.
§ 9 Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen
(1) Der Ausländer kann sich an den Hohen Flüchtlingskommissar der
Vereinten Nationen wenden.
(2) Das Bundesamt übermittelt dem Hohen Flüchtlingskommissar der
Vereinten Nationen auf dessen Ersuchen zur Erfüllung seiner Aufgaben
nach Artikel 35 des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
seine Entscheidungen und deren Begründungen.
(3) Sonstige Angaben, insbesondere die vorgetragenen Verfolgungsgründe
dürfen, außer in anonymisierter Form, nur übermittelt werden,
wenn sich der Ausländer selbst an den Hohen Flüchtlingskommissar
der Vereinten Nationen gewandt hat oder die Einwilligung des Ausländers
anderweitig nachgewiesen ist. Der Einwilligung des Ausländers bedarf
es nicht, wenn dieser sich nicht mehr im Bundesgebiet aufhält und kein
Grund zu der Annahme besteht, daß schutzwürdige Interessen des
Ausländers entgegenstehen.
(4) Die Daten dürfen nur zu dem Zweck verwendet werden, zu dem sie
übermittelt wurden.
§ 10 Zustellungsvorschriften
(1) Der Ausländer hat während der Dauer des Asylverfahrens vorzusorgen,
daß ihn Mitteilungen des Bundesamtes, der zuständigen
Ausländerbehörde und der angerufenen Gerichte stets erreichen
können; insbesondere hat er jeden Wechsel seiner Anschrift den genannten
Stellen unverzüglich anzuzeigen.
(2) Der Ausländer muß Zustellungen und formlose Mitteilungen unter
der letzten Anschrift, die der jeweiligen Stelle auf Grund seines Asylantrages
oder seiner Mitteilung bekannt ist, gegen sich gelten lassen, wenn er für
das Verfahren weder einen Bevollmächtigten bestellt noch einen
Empfangsberechtigten benannt hat oder diesen nicht zugestellt werden kann.
Das gleiche gilt, wenn die letzte bekannte Anschrift, unter der der
Ausländer wohnt oder zu wohnen verpflichtet ist, durch eine
öffentliche Stelle mitgeteilt worden ist. Der Ausländer muß
Zustellungen und formlose Mitteilungen anderer als der in Absatz 1 bezeichneten
öffentlichen Stellen unter der Anschrift gegen sich gelten lassen, unter
der er nach den Sätzen 1 und 2 Zustellungen und formlose Mitteilungen
des Bundesamtes gegen sich gelten lassen muß. Kann die Sendung dem
Ausländer nicht zugestellt werden, so gilt die Zustellung mit der Aufgabe
zur Post als bewirkt, selbst wenn die Sendung als unzustellbar zurückkommt.
(3) Betreiben Eltern oder Elternteile mit ihren minderjährigen ledigen
Kindern oder Ehegatten jeweils ein gemeinsames Asylverfahren und ist nach
Absatz 2 für alle Familienangehörigen dieselbe Anschrift
maßgebend, können für sie bestimmte Entscheidungen und
Mitteilungen in einem Bescheid oder einer Mitteilung zusammengefaßt
und einem Ehegatten oder Elternteil zugestellt werden. In der Anschrift sind
alle Familienangehörigen zu nennen, die das 16. Lebensjahr vollendet
haben und für die die Entscheidung oder Mitteilung bestimmt ist. In
der Entscheidung oder Mitteilung ist ausdrücklich darauf hinzuweisen,
gegenüber welchen Familienangehörigen sie gilt.
(4) In einer Aufnahmeeinrichtung hat diese Zustellungen und formlose Mitteilungen
an die Ausländer, die nach Maßgabe des Absatzes 2 Zustellungen
und formlose Mitteilungen unter der Anschrift der Aufnahmeeinrichtung gegen
sich gelten lassen müssen, vorzunehmen. Postausgabe- und
Postverteilungszeiten sind für jeden Werktag durch Aushang bekanntzumachen.
Der Ausländer hat sicherzustellen, daß ihm Posteingänge
während der Postausgabe- und Postverteilungszeiten in der
Aufnahmeeinrichtung ausgehändigt werden können. Zustellungen und
formlose Mitteilungen sind mit der Aushändigung an den Ausländer
bewirkt; im übrigen gelten sie am dritten Tag nach Übergabe an
die Aufnahmeeinrichtung als bewirkt.
(5) Die Vorschriften über die Ersatzzustellung bleiben unberührt.
(6) Müßte eine Zustellung außerhalb des Bundesgebiets erfolgen,
so ist durch öffentliche Bekanntmachung zuzustellen. Die Vorschriften
des § 15 Abs. 2 und 3, Abs. 5 Satz 2 und 3 und Abs. 6 des
Verwaltungszustellungsgesetzes finden Anwendung.
(7) Der Ausländer ist bei der Antragstellung schriftlich und gegen
Empfangsbestätigung auf diese Zustellungsvorschriften hinzuweisen.
§ 11 Ausschluß des Widerspruchs
Gegen Maßnahmen und Entscheidungen nach diesem Gesetz findet kein
Widerspruch statt.
Zweiter Abschnitt
Asylverfahren
Erster Unterabschnitt
Allgemeine Verfahrensvorschriften
§ 12 Handlungsfähigkeit Minderjähriger
(1) Fähig zur Vornahme von Verfahrenshandlungen nach diesem Gesetz ist
auch ein Ausländer, der das 16. Lebensjahr vollendet hat, sofern er
nicht nach Maßgabe des Bürgerlichen Gesetzbuches
geschäftsunfähig oder im Falle seiner Volljährigkeit in dieser
Angelegenheit zu betreuen und einem Einwilligungsvorbehalt zu unterstellen
wäre.
(2) Bei der Anwendung dieses Gesetzes sind die Vorschriften des
Bürgerlichen Gesetzbuches dafür maßgebend, ob ein Ausländer
als minderjährig oder volljährig anzusehen ist. Die
Geschäftsfähigkeit und die sonstige rechtliche Handlungsfähigkeit
eines nach dem Recht seines Heimatstaates volljährigen Ausländers
bleiben davon unberührt.
(3) Im Asylverfahren ist vorbehaltlich einer abweichenden Entscheidung des
Vormundschaftsgerichts jeder Elternteil zur Vertretung eines Kindes unter
16 Jahren befugt, wenn sich der andere Elternteil nicht im Bundesgebiet
aufhält oder sein Aufenthaltsort in Bundesgebiet unbekannt ist.
§ 13 Asylantrag
(1) Ein Asylantrag liegt vor, wenn sich dem schriftlich, mündlich oder
auf andere Weise geäußerten Willen des Ausländers entnehmen
läßt, daß er im Bundesgebiet Schutz vor politischer Verfolgung
sucht oder daß er Schutz vor Abschiebung oder einer sonstigen
Rückführung in einen Staat begehrt, in dem ihm die in § 51
Abs. 1 des Ausländergesetzes bezeichneten Gefahren drohen.
(2) Mit jedem Asylantrag wird sowohl die Feststellung, daß die
Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 des Ausländergesetzes vorliegen,
als auch, wenn der Ausländer dies nicht ausdrücklich ablehnt, die
Anerkennung als Asylberechtigter beantragt.
(3) Ein Ausländer, der nicht im Besitz der erforderlichen Einreisepapiere
ist, hat an der Grenze um Asyl nachzusuchen (§ 18). Im Falle der unerlaubten
Einreise hat er sich unverzüglich bei einer Aufnahmeeinrichtung zu melden
(§ 22) oder bei der Ausländerbehörde oder der Polizei um Asyl
nachzusuchen (§ 19).
§ 14 Antragstellung
(1) Der Asylantrag ist bei der Außenstelle des Bundesamtes zu stellen,
die der für die Aufnahme des Ausländers zuständigen
Aufnahmeeinrichtung zugeordnet ist.
(2) Der Asylantrag ist beim Bundesamt zu stellen, wenn der Ausländer
1. eine Aufenthaltsgenehmigung mit einer Gesamtgeltungsdauer von mehr als
sechs Monaten besitzt,
2. sich in Haft oder sonstigem öffentlichem Gewahrsam, in einem Krankenhaus,
einer Heil- oder Pflegeanstalt oder in einer Jugendhilfeeinrichtung befindet,
oder
3. noch nicht das 16. Lebensjahr vollendet hat und sein gesetzlicher Vertreter
nicht verpflichtet ist, in einer Aufnahmeeinrichtung zu wohnen.
Die Ausländerbehörde leitet einen bei ihr eingereichten schriftlichen
Antrag unverzüglich dem Bundesamt zu.
(3) Ausländer, die als Kriegs- oder Bürgerkriegsflüchtlinge
eine Aufenthaltsbefugnis nach § 32a des Ausländergesetzes besitzen,
können keinen Asylantrag stellen.
(4) Befindet sich der Ausländer in den Fällen des Absatzes 2 Satz
1 Nr. 2 in
1. Untersuchungshaft,
2. Strafhaft,
3. Vorbereitungshaft nach § 57 Abs. 1 des Ausländergesetzes,3
4. Sicherungshaft nach § 57 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 des Ausländergesetzes,
weil er sich nach der unerlaubten Einreise länger als einen Monat ohne
Aufenthaltsgenehmigung im Bundesgebiet aufgehalten hat,
5. Sicherungshaft nach § 57 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 bis 5 des
Ausländergesetzes,
steht die Asylantragstellung der Anordnung oder Aufrechterhaltung von
Abschiebungshaft nicht entgegen.
Dem Ausländer ist unverzüglich Gelegenheit zu geben, mit einem
Rechtsbeistand seiner Wahl Verbindung aufzunehmen, es sei denn, er hat sich
selbst vorher anwaltlichen Beistands versichert. Die Abschiebungshaft endet
mit der Zustellung der Entscheidung des Bundesamtes, spätestens jedoch
vier Wochen nach Eingang des Asylantrags beim Bundesamt, es sei denn, der
Asylantrag wurde als unbeachtlich oder offensichtlich unbegründet abgelehnt.
§ 15 Allgemeine Mitwirkungspflichten
(1) Der Ausländer ist persönlich verpflichtet, bei der Aufklärung
des Sachverhalts mitzuwirken. Dies gilt auch, wenn er sich durch einen
Bevollmächtigten vertreten läßt.
(2) Er ist insbesondere verpflichtet,
1. den mit der Ausführung dieses Gesetzes betrauten Behörden die
erforderlichen Angaben mündlich und nach Aufforderung auch schriftlich
zu machen;
2. das Bundesamt unverzüglich zu unterrichten, wenn ihm eine
Aufenthaltsgenehmigung erteilt worden ist;
3. den gesetzlichen und behördlichen Anordnungen, sich bei bestimmten
Behörden oder Einrichtungen zu melden oder dort persönlich zu
erscheinen, Folge zu leisten;
4. seinen Paß oder Paßersatz den mit der Ausführung dieses
Gesetzes betrauten Behörden vorzulegen, auszuhändigen und zu
überlassen;
5. alle erforderlichen Urkunden und sonstigen Unterlagen, die in seinem Besitz
sind, den mit der Ausführung dieses Gesetzes betrauten Behörden
vorzulegen, auszuhändigen und zu überlassen;
6. im Falle des Nichtbesitzes eines gültigen Passes oder Paßersatzes
an der Beschaffung eines Identitätspapiers mitzuwirken;
7. die vorgeschriebenen erkennungsdienstlichen Maßnahmen zu dulden.
(3) Erforderliche Urkunden und sonstige Unterlagen nach Absatz 2 Nr. 5 sind
insbesondere
1. alle Urkunden und Unterlagen, die neben dem Paß oder Paßersatz
für die Feststellung der Identität und Staatsangehörigkeit
von Bedeutung sein können,
2. von anderen Staaten erteilte Visa, Aufenthaltsgenehmigungen und sonstige
Grenzübertrittspapiere,
3. Flugscheine und sonstige Fahrausweise,
4. Unterlagen über den Reiseweg vom Herkunftsland in das Bundesgebiet,
die benutzten Beförderungsmittel und über den Aufenthalt in anderen
Staaten nach der Ausreise aus dem Herkunftsland und vor der Einreise in das
Bundesgebiet sowie
5. alle sonstigen Urkunden und Unterlagen, auf die der Ausländer sich
beruft oder die für die zu treffenden asyl- und ausländerrechtlichen
Entscheidungen und Maßnahmen einschließlich der Feststellung
und Geltendmachung einer Rückführungsmöglichkeit in einen
anderen Staat von Bedeutung sind.
(4) Die mit der Ausführung dieses Gesetzes betrauten Behörden
können den Ausländer und Sachen, die von ihm mitgeführt werden,
durchsuchen, wenn der Ausländer seinen Verpflichtungen nach Absatz 2
Nr. 4 und 5 nicht nachkommt und Anhaltspunkte bestehen, daß er im Besitz
solcher Unterlagen ist. Der Ausländer darf nur von einer Person gleichen
Geschlechts durchsucht werden.
(5) Durch die Rücknahme des Asylantrags werden die Mitwirkungspflichten
des Ausländers nicht beendet.
§ 16 Sicherung der Identität
(1) Die Identität eines Ausländers, der um Asyl nachsucht, ist
durch erkennungsdienstliche Maßnahmen zu sichern, es sei denn, daß
er eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung besitzt oder noch nicht das 14.
Lebensjahr vollendet hat. Nach Satz 1 dürfen nur Lichtbilder und Abdrucke
aller zehn Finger aufgenommen werden.
(2) Zuständig für erkennungsdienstliche Maßnahmen sind das
Bundesamt und, sofern der Ausländer dort um Asyl nachsucht, auch die
in den §§ 18 und 19 bezeichneten Behörden sowie die
Aufnahmeeinrichtung, bei der sich der Ausländer meldet.
(3) Das Bundeskriminalamt leistet Amtshilfe bei der Auswertung der nach Absatz
1 gewonnenen Fingerabdruckblätter zum Zwecke der Identitätssicherung.
Es darf hierfür auch von ihm zur Erfüllung seiner Aufgaben aufbewahrte
erkennungsdienstliche Unterlagen verwenden. Das Bundeskriminalamt darf den
in Absatz 2 bezeichneten Behörden den Grund der Aufbewahrung dieser
Unterlagen nicht mitteilen, soweit dies nicht nach anderen Rechtsvorschriften
zulässig ist.
(4) Die nach Absatz 1 gewonnenen Unterlagen werden vom Bundeskriminalamt
getrennt von anderen erkennungsdienstlichen Unterlagen aufbewahrt und gesondert
gekennzeichnet. Entsprechendes gilt für die Verarbeitung in Dateien.
(5) Die Verarbeitung und Nutzung der nach Absatz 1 gewonnenen Unterlagen
ist auch zulässig zur Feststellung der Identität oder der Zuordnung
von Beweismitteln, wenn bestimmte Tatsachen die Annahme begründen, daß
dies zur Aufklärung einer Straftat führen wird, oder wenn es zur
Abwehr einer erheblichen Gefahr für die öffentliche Sicherheit
erforderlich ist. Die Unterlagen dürfen ferner für die Identifizierung
unbekannter oder vermißter Personen verwendet werden.
(6) Nach Absatz 1 gewonnene Unterlagen sind zu vernichten
1. nach unanfechtbarer Anerkennung,
2. nach Ausstellung eines Reiseausweises nach dem Abkommen über die
Rechtsstellung der Flüchtlinge,
3. nach Erteilung einer unbefristeten Aufenthaltsgenehmigung,
4. im Falle einer Einreiseverweigerung (§ 18 Abs. 2) oder einer
Zurückschiebung (§ 18 Abs. 3) nach drei Jahren,
5. im übrigen acht Jahre nach unanfechtbarem Abschluß des
Asylverfahrens;
die entsprechenden Daten sind zu löschen.
§ 17 Sprachmittler
(1) Ist der Ausländer der deutschen Sprache nicht hinreichend kundig,
so ist von Amts wegen bei der Anhörung ein Dolmetscher, Übersetzer
oder sonstiger Sprachmittler hinzuzuziehen, der in die Muttersprache des
Ausländers oder in eine andere Sprache zu übersetzen hat, in der
der Ausländer sich mündlich verständigen kann.
(2) Der Ausländer ist berechtigt, auf seine Kosten auch einen geeigneten
Sprachmittler seiner Wahl hinzuzuziehen.
Zweiter Unterabschnitt
Einleitung des Asylverfahrens
§ 18 Aufgaben der Grenzbehörde
(1) Ein Ausländer, der bei einer mit der polizeilichen Kontrolle des
grenzüberschreitenden Verkehrs beauftragten Behörde
(Grenzbehörde) um Asyl nachsucht, ist unverzüglich an die
zuständige oder, sofern diese nicht bekannt ist, an die nächstgelegene
Aufnahmeeinrichtung zur Meldung weiterzuleiten.
(2) Dem Ausländer ist die Einreise zu verweigern, wenn
1. er aus einem sicheren Drittstaat (§ 26a) einreist,
2. die Voraussetzungen des § 27 Abs. 1 oder 2 offensichtlich vorliegen
oder
3. er eine Gefahr für die Allgemeinheit bedeutet, weil er in der
Bundesrepublik Deutschland wegen einer besonders schweren Straftat zu einer
Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren rechtskräftig verurteilt
worden ist, und seine Ausreise nicht länger als drei Jahre
zurückliegt.
(3) Der Ausländer ist zurückzuschieben, wenn er von der
Grenzbehörde im grenznahen Raum in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang
mit einer unerlaubten Einreise angetroffen wird und die Voraussetzungen des
Absatzes 2 vorliegen.
(4) Von der Einreiseverweigerung oder Zurückschiebung ist im Falle der
Einreise aus einem sicheren Drittstaat (§ 26a) abzusehen, soweit
1. die Bundesrepublik Deutschland auf Grund eines völkerrechtlichen
Vertrages mit dem sicheren Drittstaat für die Durchführung eines
Asylverfahrens zuständig ist oder
2. das Bundesministerium des Innern es aus völkerrechtlichen oder
humanitären Gründen oder zur Wahrung politischer Interessen der
Bundesrepublik Deutschland angeordnet hat.
(5) Die Grenzbehörde hat den Ausländer erkennungsdienstlich zu
behandeln.
§ 18a Verfahren bei Einreise auf dem Luftwege
(1) Bei Ausländern aus einem sicheren Herkunftsstaat (§ 29a), die
über einen Flughafen einreisen wollen und bei der Grenzbehörde
um Asyl nachsuchen, ist das Asylverfahren vor der Entscheidung über
die Einreise durchzuführen, soweit die Unterbringung auf dem
Flughafengelände während des Verfahrens möglich oder lediglich
wegen einer erforderlichen stationären Krankenhausbehandlung nicht
möglich ist. Das gleiche gilt für Ausländer, die bei der
Grenzbehörde auf einem Flughafen um Asyl nachsuchen und sich dabei nicht
mit einem gültigen Paß oder Paßersatz ausweisen. Dem
Ausländer ist unverzüglich Gelegenheit zur Stellung des Asylantrages
bei der Außenstelle des Bundesamtes zu geben, die der Grenzkontrollstelle
zugeordnet ist. Die persönliche Anhörung des Ausländers durch
das Bundesamt soll unverzüglich stattfinden. Dem Ausländer ist
danach unverzüglich Gelegenheit zu geben, mit einem Rechtsbeistand seiner
Wahl Verbindung aufzunehmen, es sei denn, er hat sich selbst vorher anwaltlichen
Beistands versichert. § 18 Abs. 2 bleibt unberührt.
(2) Lehnt das Bundesamt den Asylantrag als offensichtlich unbegründet
ab, droht es dem Ausländer nach Maßgabe der §§ 34 und
36 Abs. 1 vorsorglich für den Fall der Einreise die Abschiebung an.
(3) Wird der Asylantrag als offensichtlich unbegründet abgelehnt, ist
dem Ausländer die Einreise zu verweigern. Die Entscheidungen des Bundesamtes
sind zusammen mit der Einreiseverweigerung von der Grenzbehörde zuzustellen.
Diese übermittelt unverzüglich dem zuständigen Verwaltungsgericht
eine Kopie ihrer Entscheidung und den Verwaltungsvorgang des Bundesamtes.
(4) Ein Antrag auf Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes nach der
Verwaltungsgerichtsordnung ist innerhalb von drei Tagen nach Zustellung der
Entscheidungen des Bundesamtes und der Grenzbehörde zu stellen. Der
Antrag kann bei der Grenzbehörde gestellt werden. Der Ausländer
ist hierauf hinzuweisen. § 58 der Verwaltungsgerichtsordnung ist
entsprechend anzuwenden. Die Entscheidung soll im schriftlichen Verfahren
ergehen. § 36 Abs. 4 ist anzuwenden. Im Falle der rechtzeitigen
Antragstellung darf die Einreiseverweigerung nicht vor der gerichtlichen
Entscheidung (§ 36 Abs. 3 Satz 9) vollzogen werden.
(5) Jeder Antrag nach Absatz 4 richtet sich auf Gewährung der Einreise
und für den Fall der Einreise gegen die Abschiebungsandrohung. Die Anordnung
des Gerichts, dem Ausländer die Einreise zu gestatten, gilt zugleich
als Aussetzung der Abschiebung.
(6) Dem Ausländer ist die Einreise zu gestatten, wenn
1. das Bundesamt der Grenzbehörde mitteilt, daß es nicht kurzfristig
entscheiden kann,
2. das Bundesamt nicht innerhalb von zwei Tagen nach Stellung des Asylantrags
über diesen entschieden hat oder
3. das Gericht nicht innerhalb von vierzehn Tagen über einen Antrag
nach Absatz 4 entschieden hat.
§ 19 Aufgaben der Ausländerbehörde und der Polizei
(1) Ein Ausländer, der bei einer Ausländerbehörde oder bei
der Polizei eines Landes um Asyl nachsucht, ist in den Fällen des §
14 Abs. 1 unverzüglich an die zuständige oder, soweit diese nicht
bekannt ist, an die nächstgelegene Aufnahmeeinrichtung zur Meldung
weiterzuleiten.
(2) Die Ausländerbehörde und die Polizei haben den Ausländer
erkennungsdienstlich zu behandeln (§ 16 Abs. 1).
(3) Ein Ausländer, der aus einem sicheren Drittstaat (§ 26a) unerlaubt
eingereist ist, kann ohne vorherige Weiterleitung an eine Aufnahmeeinrichtung
nach Maßgabe des § 61 Abs. 1 des Ausländergesetzes dorthin
zurückgeschoben werden. In diesem Falle ordnet die
Ausländerbehörde die Zurückschiebung an, sobald feststeht,
daß sie durchgeführt werden kann.
(4) Vorschriften über die Festnahme oder Inhaftnahme bleiben
unberührt.
§ 20 Weiterleitung an eine Aufnahmeeinrichtung
(1) Die Behörde, die den Ausländer an eine Aufnahmeeinrichtung
weiterleitet, teilt dieser die Weiterleitung unverzüglich mit.
(2) Der Ausländer ist verpflichtet, der Weiterleitung unverzüglich
zu folgen.
§ 21 Verwahrung und Weitergabe von Unterlagen
(1) Die Behörden, die den Ausländer an eine Aufnahmeeinrichtung
weiterleiten, nehmen die in § 15 Abs. 2 Nr. 4 und 5 bezeichneten Unterlagen
in Verwahrung und leiten sie unverzüglich der Aufnahmeeinrichtung zu.
Erkennungsdienstliche Unterlagen sind beizufügen.
(2) Meldet sich der Ausländer unmittelbar bei der für seine Aufnahme
zuständigen Aufnahmeeinrichtung, nimmt diese die Unterlagen in Verwahrung.
(3) Die für die Aufnahme des Ausländers zuständige
Aufnahmeeinrichtung leitet die Unterlagen unverzüglich der ihr zugeordneten
Außenstelle des Bundesamtes zu.
(4) Dem Ausländer sind auf Verlangen Abschriften der in Verwahrung
genommenen Unterlagen auszuhändigen.
(5) Die Unterlagen sind dem Ausländer wieder auszuhändigen, wenn
sie für die weitere Durchführung des Asylverfahrens oder für
aufenthaltsbeendende Maßnahmen nicht mehr benötigt werden.
§ 22 Meldepflicht
(1) Ein Ausländer, der den Asylantrag bei einer Außenstelle des
Bundesamtes zu stellen hat (§ 14 Abs. 1), hat sich in einer
Aufnahmeeinrichtung persönlich zu melden. Diese nimmt ihn auf oder leitet
ihn an die für seine Aufnahme zuständige Aufnahmeeinrichtung weiter;
im Falle der Weiterleitung ist der Ausländer, soweit möglich,
erkennungsdienstlich zu behandeln.
(2) Die Landesregierung oder die von ihr bestimmte Stelle kann bestimmen,
daß
1. die Meldung nach Absatz 1 bei einer bestimmten Aufnahmeeinrichtung erfolgen
muß,
2. ein von einer Aufnahmeeinrichtung eines anderen Landes weitergeleiteter
Ausländer zunächst eine bestimmte Aufnahmeeinrichtung aufsuchen
muß.
Der Ausländer ist während seines Aufenthaltes in der nach Satz
1 bestimmten Aufnahmeeinrichtung erkennungsdienstlich zu behandeln. In den
Fällen des § 18 Abs. 1 und des § 19 Abs. 1 ist der Ausländer
an diese Aufnahmeeinrichtung weiterzuleiten.
§ 22a Übernahme zur Durchführung eines Asylverfahrens
Ein Ausländer, der auf Grund eines völkerrechtlichen Vertrages
zur Durchführung eines Asylverfahrens übernommen ist, steht einem
Ausländer gleich, der um Asyl nachsucht. Der Ausländer ist
verpflichtet, sich bei oder unverzüglich nach der Einreise zu der Stelle
zu begeben, die vom Bundesministerium des Innern oder der von ihm bestimmten
Stelle bezeichnet ist.
Dritter Unterabschnitt
Verfahren beim Bundesamt
§ 23 Antragstellung bei der Außenstelle
Der Ausländer, der in der Aufnahmeeinrichtung aufgenommen ist, ist
verpflichtet, unverzüglich oder zu dem von der Aufnahmeeinrichtung genannten
Termin bei der Außenstelle des Bundesamtes zur Stellung des Asylantrages
persönlich zu erscheinen.
§ 24 Pflichten des Bundesamtes
(1) Das Bundesamt klärt den Sachverhalt und erhebt die erforderlichen
Beweise. Es hat den Ausländer persönlich anzuhören. Von einer
Anhörung kann abgesehen werden, wenn das Bundesamt den Ausländer
als asylberechtigt anerkennen will oder wenn der Ausländer nach seinen
Angaben aus einem sicheren Drittstaat (§ 26a) eingereist ist. Von der
Anhörung ist abzusehen, wenn der Asylantrag für ein im Bundesgebiet
geborenes Kind unter sechs Jahren gestellt und der Sachverhalt auf Grund
des Inhalts der Verfahrensakten der Eltern oder eines Elternteils ausreichend
geklärt ist.
(2) Nach Stellung eines Asylantrages obliegt dem Bundesamt auch die Entscheidung,
ob Abschiebungshindernisse nach § 53 des Ausländergesetzes vorliegen.
(3) Das Bundesamt unterrichtet die Ausländerbehörde unverzüglich
über die getroffene Entscheidung und die von dem Ausländer
vorgetragenen oder sonst erkennbaren Gründe für eine Aussetzung
der Abschiebung, insbesondere über die Notwendigkeit, die für eine
Rückführung erforderlichen Dokumente zu beschaffen.
§ 25 Anhörung
(1) Der Ausländer muß selbst die Tatsachen vortragen, die seine
Furcht vor politischer Verfolgung begründen, und die erforderlichen
Angaben machen. Zu den erforderlichen Angaben gehören auch solche über
Wohnsitze, Reisewege, Aufenthalte in anderen Staaten und darüber, ob
bereits in anderen Staaten oder im Bundesgebiet ein Verfahren mit dem Ziel
der Anerkennung als ausländischer Flüchtling oder ein Asylverfahren
eingeleitet oder durchgeführt ist.
(2) Der Ausländer hat alle sonstigen Tatsachen und Umstände anzugeben,
die einer Abschiebung oder einer Abschiebung in einen bestimmten Staat
entgegenstehen.
(3) Ein späteres Vorbringen des Ausländers kann unberücksichtigt
bleiben, wenn andernfalls die Entscheidung des Bundesamtes verzögert
würde. Der Ausländer ist hierauf und auf § 36 Abs. 4 Satz
3 hinzuweisen.
(4) Bei einem Ausländer, der verpflichtet ist, in einer Aufnahmeeinrichtung
zu wohnen, soll die Anhörung in zeitlichem Zusammenhang mit der
Asylantragstellung erfolgen. Einer besonderen Ladung des Ausländers
und seines Bevollmächtigten bedarf es nicht. Entsprechendes gilt, wenn
dem Ausländer bei oder innerhalb einer Woche nach der Antragstellung
der Termin für die Anhörung mitgeteilt wird. Kann die Anhörung
nicht an demselben Tag stattfinden, sind der Ausländer und sein
Bevollmächtigter von dem Anhörungstermin unverzüglich zu
verständigen. Erscheint der Ausländer ohne genügende
Entschuldigung nicht zur Anhörung, entscheidet das Bundesamt nach Aktenlage,
wobei auch die Nichtmitwirkung des Ausländers zu berücksichtigen
ist.
(5) Bei einem Ausländer, der nicht verpflichtet ist, in einer
Aufnahmeeinrichtung zu wohnen, kann von der persönlichen Anhörung
abgesehen werden, wenn der Ausländer einer Ladung zur Anhörung
ohne genügende Entschuldigung nicht folgt. In diesem Falle ist dem
Ausländer Gelegenheit zur schriftlichen Stellungnahme innerhalb eines
Monats zu geben. Äußert sich der Ausländer innerhalb dieser
Frist nicht, entscheidet das Bundesamt nach Aktenlage, wobei auch die
Nichtmitwirkung des Ausländers zu würdigen ist. § 33 bleibt
unberührt.
(6) Die Anhörung ist nicht öffentlich. An ihr können Personen,
die sich als Vertreter des Bundes, eines Landes, des Hohen
Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen oder des
Sonderbevollmächtigten für Flüchtlingsfragen beim Europarat
ausweisen, teilnehmen. Anderen Personen kann der Leiter des Bundesamtes oder
die von ihm beauftragte Person die Anwesenheit gestatten.
(7) Über die Anhörung ist eine Niederschrift aufzunehmen, die die
wesentlichen Angaben des Ausländers enthält.
§ 26 Familienasyl
(1) Der Ehegatte eines Asylberechtigten wird als Asylberechtigter anerkannt,
wenn
1. die Anerkennung des Ausländers als Asylberechtigter unanfechtbar
ist,
2. die Ehe schon in dem Staat bestanden hat, in dem der Asylberechtigte politisch
verfolgt wird,
3. der Ehegatte einen Asylantrag vor oder gleichzeitig mit dem Asylberechtigten
oder unverzüglich nach der Einreise gestellt hat und
4. die Anerkennung des Asylberechtigten nicht zu widerrufen oder
zurückzunehmen ist.
(2) Absatz 1 Nr. 3 und 4 gilt entsprechend für die im Zeitpunkt ihrer
Asylantragstellung minderjährigen ledigen Kinder eines Asylberechtigten.
Für im Bundesgebiet nach der Anerkennung des Asylberechtigten geborene
Kinder ist der Asylantrag innerhalb eines Jahres nach der Geburt zu stellen.
(3) Absatz 2 gilt nicht für Kinder eines Ausländers, der nach Absatz
2 als Asylberechtigter anerkannt worden ist.
§ 26a Sichere Drittstaaten
(1) Ein Ausländer, der aus einem Drittstaat im Sinne des Artikels 16a
Abs. 2 Satz 1 des Grundgesetzes (sicherer Drittstaat) eingereist ist, kann
sich nicht auf Artikel 16a Abs. 1 des Grundgesetzes berufen. Er wird nicht
als Asylberechtigter anerkannt. Satz 1 gilt nicht, wenn
1. der Ausländer im Zeitpunkt seiner Einreise in den sicheren Drittstaat
im Besitz einer Aufenthaltsgenehmigung für die Bundesrepublik Deutschland
war,
2. die Bundesrepublik Deutschland auf Grund eines völkerrechtlichen
Vertrages mit dem sicheren Drittstaat für die Durchführung eines
Asylverfahrens zuständig ist oder
3. der Ausländer auf Grund einer Anordnung nach § 18 Abs. 4 Nr.
2 nicht zurückgewiesen oder zurückgeschoben worden ist.
(2) Sichere Drittstaaten sind außer den Mitgliedstaaten der
Europäischen Gemeinschaften die in Anlage I bezeichneten Staaten.
(3) Die Bundesregierung bestimmt durch Rechtsverordnung ohne Zustimmung des
Bundesrates, daß ein in Anlage I bezeichneter Staat nicht mehr als
sicherer Drittstaat gilt, wenn Veränderungen in den rechtlichen oder
politischen Verhältnissen dieses Staates die Annahme begründen,
daß die in Artikel 16a Abs. 2 Satz 1 des Grundgesetzes bezeichneten
Voraussetzungen entfallen sind. Die Verordnung tritt spätestens sechs
Monate nach ihrem Inkrafttreten außer Kraft.
§ 27 Anderweitige Sicherheit vor Verfolgung
(1) Ein Ausländer, der bereits in einem sonstigen Drittstaat vor politischer
Verfolgung sicher war, wird nicht als Asylberechtigter anerkannt.
(2) Ist der Ausländer im Besitz eines von einem sicheren Drittstaat
(§ 26a) oder einem sonstigen Drittstaat ausgestellten Reiseausweises
nach dem Abkommen über die Rechtstellung der Flüchtlinge, so wird
vermutet, daß er bereits in diesem Staat vor politischer Verfolgung
sicher war.
(3) Hat sich ein Ausländer in einem sonstigen Drittstaat, in dem ihm
keine politische Verfolgung droht, vor der Einreise in das Bundesgebiet
länger als drei Monate aufgehalten, so wird vermutet, daß er dort
vor politischer Verfolgung sicher war. Das gilt nicht, wenn der Ausländer
glaubhaft macht, daß eine Abschiebung in einen anderen Staat, in dem
ihm politische Verfolgung droht, nicht mit hinreichender Sicherheit
auszuschließen war.
§ 28 Nachfluchttatbestände
Ein Ausländer wird in der Regel nicht als Asylberechtigter anerkannt,
wenn die Gefahr politischer Verfolgung auf Umständen beruht, die er
nach Verlassen seines Herkunftslandes aus eigenem Entschluß geschaffen
hat, es sei denn, dieser Entschluß entspricht einer festen, bereits
im Herkunftsland erkennbar betätigten Überzeugung. Satz 1 findet
insbesondere keine Anwendung, wenn der Ausländer sich auf Grund seines
Alters und Entwicklungsstandes im Herkunftsland noch keine feste
Überzeugung bilden konnte.
§ 29 Unbeachtliche Asylanträge
(1) Ein Asylantrag ist unbeachtlich, wenn offensichtlich ist, daß der
Ausländer bereits in einem sonstigen Drittstaat vor politischer Verfolgung
sicher war und die Rückführung in diesen Staat oder in einen anderen
Staat, in dem er vor politischer Verfolgung sicher ist, möglich ist.
(2) Ist die Rückführung innerhalb von drei Monaten nicht möglich,
ist das Asylverfahren fortzuführen. Die Ausländerbehörde hat
das Bundesamt unverzüglich zu unterrichten.
(3) Ein Asylantrag ist ferner unbeachtlich, wenn auf Grund eines
völkerrechtlichen Vertrages ein anderer Vertragsstaat, der ein sicherer
Drittstaat (§ 26a) ist, für die Durchführung eines Asylverfahrens
zuständig ist oder die Zuständigkeit übernimmt. § 26a
Abs. 1 bleibt unberührt.
§ 29a Sicherer Herkunftsstaat
(1) Der Asylantrag eines Ausländers aus einem Staat im Sinne des Artikels
16a Abs. 3 Satz 1 des Grundgesetzes (sicherer Herkunftsstaat) ist als
offensichtlich unbegründet abzulehnen, es sei denn, die von dem
Ausländer angegebenen Tatsachen oder Beweismittel begründen die
Annahme, daß ihm abweichend von der allgemeinen Lage im Herkunftsstaat
politische Verfolgung droht.
(2) Sichere Herkunftsstaaten sind die in Anlage II bezeichneten Staaten.
(3) Die Bundesregierung bestimmt durch Rechtsverordnung ohne Zustimmung des
Bundesrates, daß ein in Anlage II bezeichneter Staat nicht mehr als
sicherer Herkunftsstaat gilt, wenn Veränderungen in den rechtlichen
oder politischen Verhältnissen dieses Staates die Annahme begründen,
daß die in Artikel 16a Abs. 3 Satz 1 des Grundgesetzes bezeichneten
Voraussetzungen entfallen sind. Die Verordnung tritt spätestens sechs
Monate nach ihrem Inkrafttreten außer Kraft.
§ 30 Offensichtlich unbegründete Asylanträge
(1) Ein Asylantrag ist offensichtlich unbegründet, wenn die Voraussetzungen
für eine Anerkennung als Asylberechtigter und die Voraussetzungen des
§ 51 Abs. 1 des Ausländergesetzes offensichtlich nicht vorliegen.
(2) Ein Asylantrag ist insbesondere offensichtlich unbegründet, wenn
nach den Umständen des Einzelfalles offensichtlich ist, daß sich
der Ausländer nur aus wirtschaftlichen Gründen oder um einer
allgemeinen Notsituation oder einer kriegerischen Auseinandersetzung zu entgehen,
im Bundesgebiet aufhält.
(3) Ein unbegründeter Asylantrag ist als offensichtlich unbegründet
abzulehnen, wenn
1. in wesentlichen Punkten das Vorbringen des Ausländers nicht substantiiert
oder in sich widersprüchlich ist, offenkundig den Tatsachen nicht entspricht
oder auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel gestützt
wird,
2. der Ausländer im Asylverfahren über seine Identität oder
Staatsangehörigkeit täuscht oder diese Angaben verweigert,
3. er unter Angabe anderer Personalien einen weiteren Asylantrag oder ein
weiteres Asylbegehren anhängig gemacht hat,
4. er den Asylantrag gestellt hat, um eine drohende Aufenthaltsbeendigung
abzuwenden, obwohl er zuvor ausreichend Gelegenheit hatte, einen Asylantrag
zu stellen,
5. er seine Mitwirkungspflichten nach § 13 Abs. 3 Satz 2, § 15
Abs. 2 Nr. 3 bis 5 oder § 25 Abs. 1 gröblich verletzt hat, es sei
denn, er hat die Verletzung der Mitwirkungspflichten nicht zu vertreten oder
ihm war die Einhaltung der Mitwirkungspflichten aus wichtigen Gründen
nicht möglich, oder
6. er nach § 47 des Ausländergesetzes vollziehbar ausgewiesen ist.
(4) Ein Asylantrag ist ferner als offensichtlich unbegründet abzulehnen,
wenn die Voraussetzungen des § 51 Abs. 3 des Ausländergesetzes
vorliegen.
(5) Ein beim Bundesamt gestellter Antrag ist auch dann als offensichtlich
unbegründet abzulehnen, wenn es sich nach seinem Inhalt nicht um einen
Asylantrag im Sinne des § 13 Abs. 1 handelt.
§ 31 Entscheidung des Bundesamtes über Asylanträge
(1) Die Entscheidung des Bundesamtes ergeht schriftlich. Sie ist schriftlich
zu begründen und den Beteiligten mit Rechtsbehelfsbelehrung zuzustellen.
Wird der Asylantrag nur nach § 26a abgelehnt, ist die Entscheidung zusammen
mit der Abschiebungsanordnung nach § 34a dem Ausländer selbst
zuzustellen. Sie kann ihm auch von der für die Abschiebung oder für
die Durchführung der Abschiebung zuständigen Behörde zugestellt
werden. Wird der Ausländer durch einen Bevollmächtigten vertreten
oder hat er einen Empfangsberechtigten benannt, soll diesem ein Abdruck der
Entscheidung zugeleitet werden.
(2) In Entscheidungen über beachtliche Asylanträge und nach §
30 Abs. 5 ist ausdrücklich festzustellen, ob die Voraussetzungen des
§ 51 Abs. 1 des Ausländergesetzes vorliegen und ob der Ausländer
als Asylberechtigter anerkannt wird. Von letzterer Feststellung ist abzusehen,
wenn der Antrag auf die Feststellung der Voraussetzungen des § 51 Abs.
1 des Ausländergesetzes beschränkt war.
(3) In den Fällen des Absatzes 2 und in Entscheidungen über
unbeachtliche Asylanträge ist festzustellen, ob Abschiebungshindernisse
nach § 53 des Ausländergesetzes vorliegen. Davon kann abgesehen
werden, wenn
1. der Ausländer als Asylberechtigter anerkannt wird,
2. das Vorliegen der Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 des
Ausländergesetzes festgestellt wird oder
3. der Asylantrag nach § 29 Abs. 3 unbeachtlich ist.
(4) Wird der Asylantrag nur nach § 26a abgelehnt, ist nur festzustellen,
daß dem Ausländer auf Grund seiner Einreise aus einem sicheren
Drittstaat kein Asylrecht zusteht.
(5) Wird ein Ausländer nach § 26 als Asylberechtigter anerkannt,
soll von den Feststellungen zu § 51 Abs. 1 und § 53 des
Ausländergesetzes abgesehen werden.
§ 32 Entscheidung bei Antragsrücknahme
Im Falle der Rücknahme des Asylantrages stellt das Bundesamt in seiner
Entscheidung fest, daß das Asylverfahren eingestellt ist und ob
Abschiebungshindernisse nach § 53 des Ausländergesetzes vorliegen;
in den Fällen des § 33 ist nach Aktenlage zu entscheiden.
§ 32a Ruhen des Verfahrens
(1) Das Asylverfahren eines Ausländers, dem nach der Stellung des
Asylantrages eine Aufenthaltsbefugnis nach § 32a des Ausländergesetzes
erteilt wird, ruht, solange er im Besitz der Aufenthaltsbefugnis ist. Solange
das Verfahren ruht, bestimmt sich die Rechtsstellung des Ausländers
nicht nach diesem Gesetz.
(2) Der Asylantrag gilt als zurückgenommen, wenn der Ausländer
nicht innerhalb eines Monats nach Ablauf der Geltungsdauer seiner
Aufenthaltsbefugnis dem Bundesamt anzeigt, daß er das Asylverfahren
fortführen will.
§ 33 Nichtbetreiben des Verfahrens
(1) Der Asylantrag gilt als zurückgenommen, wenn der Ausländer
das Verfahren trotz Aufforderung des Bundesamtes länger als einen Monat
nicht betreibt. In der Aufforderung ist der Ausländer auf die nach Satz
1 eintretende Folge hinzuweisen.
(2) Der Asylantrag gilt ferner als zurückgenommen, wenn der Ausländer
während des Asylverfahrens in seinen Herkunftsstaat gereist ist.
(3) Der Ausländer wird an der Grenze zurückgewiesen, wenn bei der
Einreise festgestellt wird, daß er während des Asylverfahrens
in seinen Herkunftsstaat gereist ist und deshalb der Asylantrag nach Absatz
2 als zurückgenommen gilt. Einer Entscheidung des Bundesamtes nach §
32 bedarf es nicht. § 51 Abs. 1, § 53 Abs. 1, 2 und 4 sowie die
§ 57 und 60 Abs. 4 des Ausländergesetzes finden entsprechende
Anwendung.
Vierter Unterabschnitt
Aufenthaltsbeendigung
§ 34 Abschiebungsandrohung
(1) Das Bundesamt erläßt nach den §§ 50 und 51 Abs.
4 des Ausländergesetzes die Abschiebungsandrohung, wenn der Ausländer
nicht als Asylberechtigter anerkannt wird und keine Aufenthaltsgenehmigung
besitzt. Eine Anhörung des Ausländers vor Erlaß der
Abschiebungsandrohung ist nicht erforderlich.
(2) Die Abschiebungsandrohung soll mit der Entscheidung über den Asylantrag
verbunden werden.
§ 34a Abschiebungsanordnung
(1) Soll der Ausländer in einen sicheren Drittstaat (§ 26a) abgeschoben
werden, ordnet das Bundesamt die Abschiebung in diesen Staat an, sobald
feststeht, daß sie durchgeführt werden kann. Dies gilt auch, wenn
der Ausländer den Asylantrag auf die Feststellung der Voraussetzungen
des § 51 Abs. 1 des Ausländergesetzes beschränkt oder vor
der Entscheidung des Bundesamtes zurückgenommen hat. Einer vorherigen
Androhung und Fristsetzung bedarf es nicht.
(2) Die Abschiebung in den sicheren Drittstaat darf nicht nach § 80
oder § 123 der Verwaltungsgerichtsordnung ausgesetzt werden.
§ 35 Abschiebungsandrohung bei Unbeachtlichkeit des Asylantrages
In den Fällen des § 29 Abs. 1 droht das Bundesamt dem Ausländer
die Abschiebung in den Staat an, in dem er vor Verfolgung sicher war. In
den Fällen des § 29 Abs. 3 Satz 1 droht es die Abschiebung in den
anderen Vertragsstaat an.
§ 36 Verfahren bei Unbeachtlichkeit und offensichtlicher
Unbegründetheit
(1) In den Fällen der Unbeachtlichkeit und der offensichtlichen
Unbegründetheit des Asylantrages beträgt die dem Ausländer
zu setzende Ausreisefrist eine Woche.
(2) Das Bundesamt übermittelt mit der Zustellung der Entscheidung den
Beteiligten eine Kopie des Inhalts der Asylakte. Der Verwaltungsvorgang ist
mit dem Nachweis der Zustellung unverzüglich dem zuständigen
Verwaltungericht zu übermitteln.
(3) Anträge nach § 80 Abs. 5 der Verwaltungsgerichtsordnung gegen
die Abschiebungsandrohung sind innerhalb einer Woche nach Bekanntgabe zu
stellen; dem Antrag soll der Bescheid des Bundesamtes beigefügt werden.
Der Ausländer ist hierauf hinzuweisen. § 58 der
Verwaltungsgerichtsordnung ist entsprechend anzuwenden. Die Entscheidung
soll im schriftlichen Verfahren ergehen; eine mündliche Verhandlung,
in der zugleich über die Klage verhandelt wird, ist unzulässig.
Die Entscheidung soll innerhalb von einer Woche nach Ablauf der Frist des
Absatzes 1 ergehen. Die Kammer des Verwaltungsgerichtes kann die Frist nach
Satz 5 um jeweils eine weitere Woche verlängern. Die zweite
Verlängerung und weitere Verlängerungen sind nur bei Vorliegen
schwerwiegender Gründe zulässig, insbesondere wenn eine
außergewöhnliche Belastung des Gerichts eine frühere Entscheidung
nicht möglich macht. Die Abschiebung ist bei rechtzeitiger Antragstellung
vor der gerichtlichen Entscheidung nicht zulässig. Die Entscheidung
ist ergangen, wenn die vollständig unterschriebene Entscheidungsformel
der Geschäftsstelle der Kammer vorliegt.
(4) Die Aussetzung der Abschiebung darf nur angeordnet werden, wenn ernstliche
Zweifel an der Rechtmäßigkeit des angegriffenen Verwaltungsaktes
bestehen. Tatsachen und Beweismittel, die von den Beteiligten nicht angegeben
worden sind, bleiben unberücksichtigt, es sei denn, sie sind gerichtsbekannt
oder offenkundig. Ein Vorbringen, das nach § 25 Abs. 3 im
Verwaltungsverfahren unberücksichtigt geblieben ist, sowie Tatsachen
und Umstände im Sinne des § 25 Abs. 2, die der Ausländer im
Verwaltungsverfahren nicht angegeben hat, kann das Gericht unberücksichtig
lassen, wenn andernfalls die Entscheidung verzögert würde.
§ 37 Weiteres Verfahren bei stattgebender gerichtlicher
Entscheidung
(1) Die Entscheidung des Bundesamtes über die Unbeachtlichkeit des Antrages
und die Abschiebungsandrohung werden unwirksam, wenn das Verwaltungsgericht
dem Antrag nach § 80 Abs. 5 der Verwaltungsgerichtsordnung entspricht.
Das Bundesamt hat das Asylverfahren fortzuführen.
(2) Entspricht das Verwaltungsgericht im Falle eines als offensichtlich
unbegründet abgelehnten Asylantrages dem Antrag nach § 80 Abs.
5 der Verwaltungsgerichtsordnung, endet die Ausreisefrist einen Monat nach
dem unanfechtbaren Abschluß des Asylverfahrens.
(3) Die Absätze 1 und 2 gelten nicht, wenn auf Grund der Entscheidung
des Verwaltungsgerichts die Abschiebung in einen der in der Abschiebungsandrohung
bezeichneten Staaten vollziehbar wird.
§ 38 Ausreisefrist bei sonstiger Ablehnung und bei Rücknahme
des Asylantrages
(1) In den sonstigen Fällen, in denen das Bundesamt den Ausländer
nicht als Asylberechtigten anerkennt, beträgt die dem Ausländer
zu setzende Ausreisefrist einen Monat. Im Falle der Klageerhebung endet die
Ausreisefrist einen Monat nach dem unanfechtbaren Abschluß des
Asylverfahrens.
(2) Im Falle der Rücknahme des Asylantrages vor der Entscheidung des
Bundesamtes beträgt die dem Ausländer zu setzende Ausreisefrist
eine Woche.
(3) Im Falle der Rücknahme des Asylantrages oder der Klage kann dem
Ausländer eine Ausreisefrist bis zu drei Monaten eingeräumt werden,
wenn er sich zur freiwilligen Ausreise bereit erklärt.
§ 39 Abschiebungsandrohung nach Aufhebung der Anerkennung
(1) Hat das Verwaltungsgericht die Anerkennung aufgehoben, erläßt
das Bundesamt nach dem Eintritt der Unanfechtbarkeit der Entscheidung
unverzüglich die Abschiebungsandrohung. Die dem Ausländer zu setzende
Ausreisefrist beträgt einen Monat.
(2) Hat das Bundesamt in der aufgehobenen Entscheidung von der Feststellung,
ob Abschiebungshindernisse nach § 53 des Ausländergesetzes vorliegen,
abgesehen, ist diese Feststellung nachzuholen.
§ 40 Unterrichtung der Ausländerbehörde
(1) Das Bundesamt unterrichtet unverzüglich die
Ausländerbehörde, in deren Bezirk sich der Ausländer aufzuhalten
hat, über eine vollziehbare Abschiebungsandrohung und leitet ihr
unverzüglich alle für die Abschiebung erforderlichen Unterlagen
zu. Das gleiche gilt, wenn das Verwaltungsgericht die aufschiebende Wirkung
der Klage wegen eines Abschiebungshindernisses nach § 53 des
Ausländergesetzes nur hinsichtlich der Abschiebung in den betreffenden
Staat angeordnet hat und das Bundesamt das Asylverfahren nicht fortführt.
(2) Das Bundesamt unterrichtet unverzüglich die
Ausländerbehörde, wenn das Verwaltungsgericht in den Fällen
des § 38 Abs. 2 und § 39 die aufschiebende Wirkung der Klage gegen
die Abschiebungsandrohung anordnet.
(3) Stellt das Bundesamt dem Ausländer die Abschiebungsanordnung (§
34a) zu, unterrichtet es unverzüglich die für die Abschiebung
zuständige Behörde über die Zustellung.
§ 41 Gesetzliche Duldung
(1) Hat das Bundesamt oder das Verwaltungsgericht das Vorliegen eines
Abschiebungshindernisses nach § 53 Abs. 6 des Ausländergesetzes
festgestellt, ist die Abschiebung in den betreffenden Staat für die
Dauer von drei Monaten ausgesetzt. Die Frist beginnt im Falle eines Antrages
nach § 80 Abs. 5 der Verwaltungsgerichtsordnung oder der Klageerhebung
mit Eintritt der Unanfechtbarkeit der gerichtlichen Entscheidung, im
übrigen mit dem Eintritt der Unanfechtbarkeit der Entscheidung des
Bundesamtes.
(2) Die Ausländerbehörde kann die Aussetzung der Abschiebung
widerrufen. Sie entscheidet über die Erteilung einer Duldung nach Ablauf
der drei Monate.
§ 42 Bindungswirkung ausländerrechtlicher Entscheidungen
Die Ausländerbehörde ist an die Entscheidung des Bundesamtes oder
des Verwaltungsgerichts über das Vorliegen von Abschiebungshindernissen
nach § 53 des Ausländergesetzes gebunden. Über den späteren
Eintritt und Wegfall des Abschiebungshindernisses nach § 53 Abs. 3 des
Ausländergesetzes entscheidet die Ausländerbehörde, ohne daß
es einer Aufhebung der Entscheidung des Bundesamtes bedarf.
§ 43 Vollziehbarkeit und Aussetzung der Abschiebung
(1) War der Ausländer im Besitz einer Aufenthaltsgenehmigung, darf eine
nach den Vorschriften dieses Gesetzes vollziehbare Abschiebungsandrohung
erst vollzogen werden, wenn der Ausländer auch nach § 42 Abs. 2
Satz 2 des Ausländergesetzes vollziehbar ausreisepflichtig ist.
(2) Hat der Ausländer die Verlängerung einer Aufenthaltsgenehmigung
mit einer Gesamtgeltungsdauer von mehr als sechs Monaten beantragt, wird
die Abschiebungsandrohung erst mit der Ablehnung dieses Antrags vollziehbar.
Im übrigen steht § 69 des Ausländergesetzes der Abschiebung
nicht entgegen.
(3) Haben Ehegatten oder Eltern und ihre minderjährigen ledigen Kinder
gleichzeitig oder jeweils unverzüglich nach ihrer Einreise einen Asylantrag
gestellt, darf die Ausländerbehörde die Abschiebung auch abweichend
von § 55 Abs. 4 des Ausländergesetzes vorübergehend aussetzen,
um die gemeinsame Ausreise der Familie zu ermöglichen.
§ 43a Aussetzung der Abschiebung durch das Bundesamt
(1) Solange ein Ausländer verpflichtet ist, in einer Aufnahmeeinrichtung
zu wohnen, darf ihm keine Aufenthaltsgenehmigung erteilt werden. Ein Antrag
auf Erteilung oder Verlängerung einer Aufenthaltsgenehmigung ist
unzulässig.
(2) Solange ein Ausländer verpflichtet ist, in einer Aufnahmeeinrichtung
zu wohnen, finden auf ihn die §§ 54 und 55 Abs. 3 des
Ausländergesetzes keine Anwendung.
(3) Das Bundesministerium des Innern kann aus völkerrechtlichen oder
humanitären Gründen oder zur Wahrung politischer Interessen der
Bundesrepublik Deutschland anordnen, daß die Abschiebung von
Ausländern, auf die nach Absatz 2 der § 54 des Ausländergesetzes
keine Anwendung findet, für die Dauer von längstens sechs Monaten
ausgesetzt wird. Das Bundesamt setzt die Abschiebung entsprechend der Anordnung
aus.
(4) Solange der Ausländer verpflichtet ist, in einer Aufnahmeeinrichtung
zu wohnen, setzt das Bundesamt die Abschiebung vorübergehend aus, wenn
diese sich als tatsächlich unmöglich erweist oder ein Aussetzungsgrund
nach § 43 Abs. 3 vorliegt.
(5) Für den Widerruf der Aussetzung und die Entscheidung über die
Erteilung einer weiteren Duldung ist die Ausländerbehörde
zuständig, sobald der Ausländer nicht mehr verpflichtet ist, in
einer Aufnahmeeinrichtung zu wohnen.
§ 43b Paßbeschaffung
Für Ausländer, die in einer Aufnahmeeinrichtung zu wohnen verpflichtet
sind, hat das Bundesministerium des Innern oder die von ihm bestimmte Stelle
für die Beschaffung der Heimreisedokumente im Wege der Amtshilfe Sorge
zu tragen. Die erforderlichen Maßnahmen sind zum
frühestmöglichen Zeitpunkt zu treffen.
Dritter Abschnitt
Unterbringung und Verteilung
§ 44 Schaffung und Unterhaltung von Aufnahmeeinrichtungen
(1) Die Länder sind verpflichtet, für die Unterbringung Asylbegehrender
die dazu erforderlichen Aufnahmeeinrichtungen zu schaffen und zu unterhalten
sowie entsprechend ihrer Aufnahmequote die im Hinblick auf den monatlichen
Zugang Asylbegehrender in den Aufnahmeeinrichtungen notwendige Zahl von
Unterbringungsplätzen bereitzustellen.
(2) Das Bundesministerium des Innern oder die von ihm bestimmte Stelle teilt
den Ländern monatlich die Zahl der Zugänge von Asylbegehrenden,
die voraussichtliche Entwicklung und den voraussichtlichen Bedarf an
Unterbringungsplätzen mit.
(3) § 45 des Achten Buches Sozialgesetzbuch (Artikel 1 des Gesetzes
vom 26. Juni 1990, BGBl. I S. 1163) gilt nicht für Aufnahmeeinrichtungen.
§ 45 Aufnahmequoten
Die Länder können durch Vereinbarung einen Schlüssel für
die Aufnahme von Asylbegehrenden durch die einzelnen Länder (Aufnahmequote)
festlegen. Bis zum Zustandekommen dieser Vereinbarung oder bei deren Wegfall
richtet sich die Aufnahmequote nach folgendem Schlüssel:
Sollanteil v. H.
Baden-Württemberg 12,2
Bayern 14,0
Berlin 2,2
Brandenburg 3,5
Bremen 1,0
Hamburg 2,6
Hessen 7,4
Mecklenburg-Vopommern 2,7
Niedersachsen 9,3
Nordrhein-Westfalen 22,4
Rheinland-Pfalz 4,7
Saarland 1,4
Sachsen 6,5
Sachsen-Anhalt 4,0
Schleswig-Holstein 2,8
Thüringen 3,3
§ 46 Bestimmung der zuständigen Aufnahmeeinrichtung
(1) Zuständig für die Aufnahme des Ausländers ist die
Aufnahmeeinrichtung, in der er sich gemeldet hat, wenn sie über einen
freien Unterbringungsplatz im Rahmen der Quote nach § 45 verfügt
und die ihr zugeordnete Außenstelle des Bundesamtes Asylanträge
aus dem Herkunftsland des Ausländers bearbeitet. Liegen diese
Voraussetzungen nicht vor, ist die nach Absatz 2 bestimmte Aufnahmeeinrichtung
für die Aufnahme des Ausländers zuständig.
(2) Eine vom Bundesministerium des Innern bestimmte zentrale Verteilungsstelle
benennt auf Veranlassung einer Aufnahmeeinrichtung dieser die für die
Aufnahme des Ausländers zuständige Aufnahmeeinrichtung. Maßgebend
dafür sind die Aufnahmequoten nach § 45, in diesem Rahmen die
vorhandenen freien Unterbringungsplätze und sodann die
Bearbeitungsmöglichkeiten der jeweiligen Außenstelle des Bundesamtes
in bezug auf die Herkunftsländer der Ausländer. Von mehreren danach
in Betracht kommenden Aufnahmeeinrichtungen wird die nächstgelegene
als zuständig benannt.
(3) Die veranlassende Aufnahmeeinrichtung teilt der zentralen Verteilungsstelle
nur die Zahl der Ausländer unter Angabe der Herkunftsländer mit.
Ehegatten sowie Eltern und ihre minderjährigen ledigen Kinder sind als
Gruppe zu melden.
(4) Die Länder stellen sicher, daß die zentrale Verteilungsstelle
jederzeit über die für die Bestimmung der zuständigen
Aufnahmeeinrichtung erforderlichen Angaben, insbesondere über Zu- und
Abgänge, Belegungsstand und alle freien Unterbringungsplätze jeder
Aufnahmeeinrichtung unterrichtet ist.
(5) Die Landesregierung oder die von ihr bestimmte Stelle benennt der zentralen
Verteilungsstelle die zuständige Aufnahmeeinrichtung für den Fall,
daß das Land nach der Quotenregelung zur Aufnahme verpflichtet ist
und über keinen freien Unterbringungsplatz in den Aufnahmeeinrichtungen
verfügt.
§ 47 Aufenthalt in Aufnahmeeinrichtungen
(1) Ausländer, die den Asylantrag bei einer Außenstelle des
Bundesamtes zu stellen haben (§ 14 Abs. 1), sind verpflichtet, bis zu
sechs Wochen, längstens jedoch bis zu drei Monaten, in der für
ihre Aufnahme zuständigen Aufnahmeeinrichtung zu wohnen. Das gleiche
gilt in den Fällen des § 14 Abs. 2 Nr. 2, wenn die Voraussetzungen
dieser Vorschrift vor der Entscheidung des Bundesamtes entfallen.
(2) Sind Eltern eines minderjährigen ledigen Kindes verpflichtet, in
einer Aufnahmeeinrichtung zu wohnen, so kann auch das Kind in der
Aufnahmeeinrichtung wohnen, auch wenn es keinen Asylantrag gestellt hat.
(3) Für die Dauer der Pflicht, in einer Aufnahmeeinrichtung zu wohnen,
ist der Ausländer verpflichtet, für die zuständigen Behörden
und Gerichte erreichbar zu sein.
§ 48 Beendigung der Verpflichtung, in einer Aufnahmeeinrichtung zu
wohnen
Die Verpflichtung, in einer Aufnahmeeinrichtung zu wohnen, endet vor Ablauf
von drei Monaten, wenn der Ausländer
1. verpflichtet ist, an einem anderen Ort oder in einer anderen Unterkunft
Wohnung zu nehmen,
2. unanfechtbar als Asylberechtigter anerkannt ist oder
3. nach der Antragstellung durch Eheschließung im Bundesgebiet die
Voraussetzungen für einen Rechtsanspruch auf Erteilung einer
Aufenthaltsgenehmigung nach dem Ausländergesetz erfüllt.
§ 49 Entlassung aus der Aufnahmeeinrichtung
(1) Die Verpflichtung, in der Aufnahmeeinrichtung zu wohnen, ist zu beenden,
wenn eine Abschiebungsandrohung vollziehbar und die Abschiebung kurzfristig
nicht möglich ist oder wenn dem Ausländer nach § 32a Abs.
1 und 2 des Ausländergesetzes eine Aufenthaltsbefugnis erteilt werden
soll.
(2) Die Verpflichtung kann aus Gründen der öffentlichen
Gesundheitsvorsorge sowie aus sonstigen Gründen der öffentlichen
Sicherheit oder Ordnung oder aus anderen zwingenden Gründen beendet
werden.
§ 50 Landesinterne Verteilung
(1) Ausländer sind unverzüglich aus der Aufnahmeeinrichtung zu
entlassen und innerhalb des Landes zu verteilen, wenn das Bundesamt der
zuständigen Landesbehörde mitteilt, daß
1. nicht oder nicht kurzfristig entschieden werden kann, daß der Asylantrag
unbeachtlich oder offensichtlich unbegründet ist und ob
Abschiebungshindernisse nach § 53 des Ausländergesetzes in der
Person des Ausländers, seines Ehegatten oder seines minderjährigen
ledigen Kindes vorliegen, oder
2. das Verwaltungsgericht die aufschiebende Wirkung der Klage gegen die
Entscheidung des Bundesamtes angeordnet oder
3. der Bundesbeauftragte gegen die Anerkennung des Ausländers Klage
erhoben hat.
Eine Verteilung kann auch erfolgen, wenn der Ausländer aus anderen
Gründen nicht mehr verpflichtet ist, in der Aufnahmeeinrichtung zu wohnen.
(2) Die Landesregierung oder die von ihr bestimmte Stelle wird ermächtigt,
durch Rechtsverordnung die Verteilung zu regeln, soweit dies nicht durch
Landesgesetz geregelt ist.
(3) Die zuständige Landesbehörde teilt innerhalb eines Zeitraumes
von drei Arbeitstagen dem Bundesamt den Bezirk der Ausländerbehörde
mit, in dem der Ausländer nach einer Verteilung Wohnung zu nehmen hat.
(4) Die zuständige Landesbehörde erläßt die
Zuweisungsentscheidung. Die Zuweisungsentscheidung ist schriftlich zu erlassen
und mit einer Rechtsbehelfsbelehrung zu versehen. Sie bedarf keiner
Begründung. Einer Anhörung des Ausländers bedarf es nicht.
Bei der Zuweisung ist die Haushaltsgemeinschaft von Ehegatten und ihren Kindern
unter 18 Jahren zu berücksichtigen.
(5) Die Zuweisungsentscheidung ist dem Ausländer selbst zuzustellen.
Wird der Ausländer durch einen Bevollmächtigten vertreten oder
hat er einen Empfangsbevollmächtigten benannt, soll ein Abdruck der
Zuweisungsentscheidung auch diesem zugeleitet werden.
(6) Der Ausländer hat sich unverzüglich zu der in der
Zuweisungsverfügung angegebenen Stelle zu begeben.
§ 51 Länderübergreifende Verteilung
(1) Ist ein Ausländer nicht oder nicht mehr verpflichtet, in einer
Aufnahmeeinrichtung zu wohnen, ist der Haushaltsgemeinschaft von Ehegatten
sowie Eltern und ihren minderjährigen ledigen Kindern oder sonstigen
humanitären Gründen von vergleichbarem Gewicht auch durch
länderübergreifende Verteilung Rechnung zu tragen.
(2) Die Verteilung nach Absatz 1 erfolgt auf Antrag des Ausländers.
Über den Antrag entscheidet die zuständige Behörde des Landes,
für das der weitere Aufenthalt beantragt ist.
§ 52 Quotenanrechnung
Auf die Quoten nach § 45 wird die Aufnahme von Asylbegehrenden in den
Fällen des § 14 Abs. 2 Nr. 3 sowie des § 51 angerechnet.
§ 53 Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften
(1) Ausländer, die einen Asylantrag gestellt haben und nicht oder nicht
mehr verpflichtet sind, in einer Aufnahmeeinrichtung zu wohnen, sollen in
der Regel in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden. Hierbei
sind sowohl das öffentliche Interesse als auch Belange des Ausländers
zu berücksichtigen.
(2) Eine Verpflichtung, in einer Gemeinschaftsunterkunft zu wohnen, endet,
wenn das Bundesamt einen Ausländer als Asylberechtigten anerkannt oder
ein Gericht das Bundesamt zur Anerkennung verpflichtet hat, auch wenn ein
Rechtsmittel eingelegt worden ist, sofern durch den Ausländer eine
anderweitige Unterkunft nachgewiesen wird und der öffentlichen Hand
dadurch Mehrkosten nicht entstehen. Das gleiche gilt, wenn das Bundesamt
oder ein Gericht festgestellt hat, daß die Voraussetzungen des §
51 Abs. 1 des Ausländergesetzes vorliegen. In den Fällen der
Sätze 1 und 2 endet die Verpflichtung auch für den Ehegatten und
die minderjährigen Kinder des Ausländers.
(3) § 44 Abs. 3 gilt entsprechend.
§ 54 Unterrichtung des Bundesamtes
Die Ausländerbehörde, in deren Bezirk sich der Ausländer
aufzuhalten hat, teilt dem Bundesamt unverzüglich
1. die ladungsfähige Anschrift des Ausländers,
2. eine Ausschreibung zur Aufenthaltsermittlung
mit.
Vierter Abschnitt
Recht des Aufenthalts
Erster Unterabschnitt
Aufenthalt während des Asylverfahrens
§ 55 Aufenthaltsgestattung
(1) Einem Ausländer, der um Asyl nachsucht, ist zur Durchführung
des Asylverfahrens der Aufenthalt im Bundesgebiet gestattet
(Aufenthaltsgestattung). Er hat keinen Anspruch darauf, sich in einem bestimmten
Land oder an einem bestimmten Ort aufzuhalten. Im Falle der unerlaubten Einreise
aus einem sicheren Drittstaat (§ 26a) erwirbt der Ausländer die
Aufenthaltsgestattung mit der Stellung eines Asylantrages.
(2) Mit der Stellung eines Asylantrages erlöschen eine Befreiung vom
Erfordernis der Aufenthaltsgenehmigung und eine Aufenthaltsgenehmigung mit
einer Gesamtgeltungsdauer bis zu sechs Monaten sowie die in § 69 Abs.
2 und 3 des Ausländergesetzes bezeichneten Wirkungen eines
Aufenthaltsgenehmigungsantrages. § 69 Abs. 3 des Ausländergesetzes
bleibt unberührt, wenn der Ausländer eine Aufenthaltsgenehmigung
mit einer Gesamtgeltungsdauer von mehr als sechs Monaten besessen und deren
Verlängerung beantragt hat.
(3) Soweit der Erwerb oder die Ausübung eines Rechts oder eine
Vergünstigung von der Dauer des Aufenthalts im Bundesgebiet abhängig
ist, wird die Zeit eines Aufenthalts nach Absatz 1 nur angerechnet, wenn
der Ausländer unanfechtbar anerkannt worden ist.
§ 56 Räumliche Beschränkung
(1) Die Aufenthaltsgestattung ist räumlich auf den Bezirk der
Ausländerbehörde beschränkt, in dem die für die Aufnahme
des Ausländers zuständige Aufnahmeeinrichtung liegt. In den
Fällen des § 14 Abs. 2 Satz 1 ist die Aufenthaltsgestattung
räumlich auf den Bezirk der Ausländerbehörde beschränkt,
in dem der Ausländer sich aufhält.
(2) Wenn der Ausländer verpflichtet ist, in dem Bezirk einer anderen
Ausländerbehörde Aufenthalt zu nehmen, ist die Aufenthaltsgestattung
räumlich auf deren Bezirk beschränkt.
§ 57 Verlassen des Aufenthaltsbereichs einer Aufnahmeeinrichtung
(1) Das Bundesamt kann einem Ausländer, der verpflichtet ist, in einer
Aufnahmeeinrichtung zu wohnen, erlauben, den Geltungsbereich der
Aufenthaltsgestattung vorübergehend zu verlassen, wenn zwingende
Gründe es erfordern.
(2) Zur Wahrnehmung von Terminen bei Bevollmächtigten, beim Hohen
Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen und bei Organisationen,
die sich mit der Betreuung von Flüchtlingen befassen, soll die Erlaubnis
unverzüglich erteilt werden.
(3) Der Ausländer kann Termine bei Behörden und Gerichten, bei
denen sein persönliches Erscheinen erforderlich ist, ohne Erlaubnis
wahrnehmen. Er hat diese Termine der Aufnahmeeinrichtung und dem Bundesamt
anzuzeigen.
§ 58 Verlassen eines zugewiesenen Aufenthaltsbereichs
(1) Die Ausländerbehörde kann einem Ausländer, der nicht oder
nicht mehr verpflichtet ist, in einer Aufnahmeeinrichtung zu wohnen, erlauben,
den Geltungsbereich der Aufenthaltsgestattung vorübergehend zu verlassen
oder sich allgemein in dem angrenzenden Bezirk einer Ausländerbehörde
aufzuhalten, wenn hieran ein dringendes öffentliches Interesse besteht,
zwingende Gründe es erfordern oder die Versagung der Erlaubnis eine
unbillige Härte bedeuten würde. Die Erlaubnis bedarf der Zustimmung
der Ausländerbehörde, für deren Bezirk der allgemeine Aufenthalt
zugelassen wird.
(2) Zur Wahrnehmung von Terminen bei Bevollmächtigten, beim Hohen
Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen und bei Organisationen,
die sich mit der Betreuung von Flüchtlingen befassen, soll die Erlaubnis
erteilt werden.
(3) Der Ausländer kann Termine bei Behörden und Gerichten, bei
denen sein persönliches Erscheinen erforderlich ist, ohne Erlaubnis
wahrnehmen.
(4) Der Ausländer kann den Geltungsbereich der Aufenthaltsgestattung
ohne Erlaubnis vorübergehend verlassen, sofern ihn das Bundesamt als
Asylberechtigten anerkannt oder ein Gericht das Bundesamt zur Anerkennung
verpflichtet hat, auch wenn die Entscheidung noch nicht unanfechtbar ist;
das gleiche gilt, wenn das Bundesamt oder ein Gericht das Vorliegen der
Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 des Ausländergesetzes festgestellt
hat oder wenn die Abschiebung des Ausländers aus sonstigen rechtlichen
oder tatsächlichen Gründen auf Dauer ausgeschlossen ist. Satz 1
gilt entsprechend für den Ehegatten und die minderjährigen ledigen
Kinder des Ausländers.
(5) Die Ausländerbehörde eines Kreises oder einer
kreisangehörigen Gemeinde kann einem Ausländer die allgemeine Erlaubnis
erteilen, sich vorübergehend im gesamten Gebiet des Kreises aufzuhalten.
(6) Um örtlichen Verhältnissen Rechnung zu tragen, können
die Landesregierungen durch Rechtsverordnung bestimmen, daß sich
Ausländer ohne Erlaubnis vorübergehend in einem die Bezirke mehrerer
Ausländerbehörden umfassenden Gebiet aufhalten können.
§ 59 Durchsetzung der räumlichen Beschränkung
(1) Die Verlassenspflicht nach § 36 des Ausländergesetzes kann,
soweit erforderlich, auch ohne Androhung durch Anwendung unmittelbaren Zwangs
durchgesetzt werden. Reiseweg und Beförderungsmittel sollen vorgeschrieben
werden.
(2) Der Ausländer ist festzunehmen und zur Durchsetzung der
Verlassenspflicht auf richterliche Anordnung in Haft zu nehmen, wenn die
freiwillige Erfüllung der Verlassenspflicht nicht gesichert ist und
andernfalls deren Durchsetzung wesentlich erschwert oder gefährdet
würde.
(3) Zuständig für Maßnahmen nach den Absätzen 1 und
2 sind
1. die Polizeien der Länder,
2. die Grenzbehörde, bei der der Ausländer um Asyl nachsucht,
3. die Ausländerbehörde, in deren Bezirk sich der Ausländer
aufhält,
4. die Aufnahmeeinrichtung, in der der Ausländer sich meldet, sowie
5. die Aufnahmeeinrichtung, die den Ausländer aufgenommen hat.
§ 60 Auflagen
(1) Die Aufenthaltsgestattung kann mit Auflagen versehen werden.
(2) Der Ausländer, der nicht oder nicht mehr verpflichtet ist, in einer
Aufnahmeeinrichtung zu wohnen, kann verpflichtet werden,
1. in einer bestimmten Gemeinde oder in einer bestimmten Unterkunft zu wohnen,
2. in eine bestimmte Gemeinde oder eine bestimmte Unterkunft umzuziehen und
dort Wohnung zu nehmen,
3. in dem Bezirk einer anderen Ausländerbehörde desselben Landes
Aufenthalt und Wohnung zu nehmen.
Eine Anhörung des Ausländers ist erforderlich in den Fällen
des Satzes 1 Nr. 2, wenn er sich länger als sechs Monate in der Gemeinde
oder Unterkunft aufgehalten hat. Die Anhörung gilt als erfolgt, wenn
der Ausländer oder sein anwaltlicher Vertreter Gelegenheit hatte, sich
innerhalb von zwei Wochen zu der vorgesehenen Unterbringung zu
äußern. Eine Anhörung unterbleibt, wenn ihr ein zwingendes
öffentliches Interesse entgegensteht.
(3) Zuständig für Maßnahmen nach den Absätzen 1 und
2 ist die Ausländerbehörde, auf deren Bezirk der Aufenthalt
beschränkt ist.
§ 61 Erwerbstätigkeit
(1) Für die Dauer der Pflicht, in einer Aufnahmeeinrichtung zu wohnen,
darf der Ausländer keine Erwerbstätigkeit ausüben.
(2) Die Ausübung einer unselbständigen Erwerbstätigkeit darf
nicht durch eine Auflage ausgeschlossen werden, sofern das Bundesamt den
Ausländer als Asylberechtigten anerkannt oder ein Gericht das Bundesamt
zur Anerkennung verpflichtet hat, auch wenn die Entscheidung noch nicht
unanfechtbar ist.
§ 62 Gesundheitsuntersuchung
(1) Ausländer, die in einer Aufnahmeeinrichtung oder Gemeinschaftsunterkunft
zu wohnen haben, sind verpflichtet, eine ärztliche Untersuchung auf
übertragbare Krankheiten einschließlich einer Röntgenaufnahme
der Atmungsorgane zu dulden. Die oberste Landesgesundheitsbehörde oder
die von ihr bestimmte Stelle bestimmt den Umfang der Untersuchung und den
Arzt, der die Untersuchung durchführt.
(2) Das Ergebnis der Untersuchung ist der für die Unterbringung
zuständigen Behörde mitzuteilen.
§ 63 Bescheinigung über die Aufenthaltsgestattung
(1) Dem Ausländer wird nach der Asylantragstellung eine mit den Angaben
zur Person und einem Lichtbild versehene Bescheinigung über die
Aufenthaltsgestattung ausgestellt, sofern er nicht im Besitz einer
Aufenthaltsgenehmigung ist.
(2) Die Bescheinigung ist zu befristen. Solange der Ausländer verpflichtet
ist, in einer Aufnahmeeinrichtung zu wohnen, beträgt die Frist
längstens drei und im übrigen längstens sechs Monate.
(3) Zuständig für die Ausstellung der Bescheinigung ist das Bundesamt,
solange der Ausländer verpflichtet ist, in einer Aufnahmeeinrichtung
zu wohnen. Im übrigen ist die Ausländerbehörde zuständig,
auf deren Bezirk die Aufenthaltsgestattung beschränkt ist. Auflagen
und Änderungen der räumlichen Beschränkung können auch
von der Behörde vermerkt werden, die sie verfügt hat.
(4) Die Bescheinigung soll eingezogen werden, wenn die Aufenthaltsgestattung
erloschen ist.
§ 64 Ausweispflicht
(1) Der Ausländer genügt für die Dauer des Asylverfahrens
seiner Ausweispflicht mit der Bescheinigung über die Aufenthaltsgestattung.
(2) Die Bescheinigung berechtigt nicht zum Grenzübertritt.
§ 65 Herausgabe des Passes
(1) Dem Ausländer ist nach der Stellung des Asylantrages der Paß
oder Paßersatz auszuhändigen, wenn dieser für die weitere
Durchführung des Asylverfahrens nicht benötigt wird und der
Ausländer eine Aufenthaltsgenehmigung besitzt oder die
Ausländerbehörde ihm nach den Vorschriften in anderen Gesetzen
eine Aufenthaltsgenehmigung erteilt.
(2) Dem Ausländer kann der Paß oder Paßersatz
vorübergehend ausgehändigt werden, wenn dies in den Fällen
des § 58 Abs. 1 für eine Reise oder wenn es für die
Verlängerung der Gültigkeitsdauer oder die Vorbereitung der Ausreise
des Ausländers erforderlich ist.
§ 66 Ausschreibung zur Aufenthaltsermittlung
(1) Der Ausländer kann zur Aufenthaltsermittlung im
Ausländerzentralregister und in den Fahndungshilfsmitteln der Polizei
ausgeschrieben werden, wenn sein Aufenthaltsort unbekannt ist und er
1. innerhalb einer Woche nicht in der Aufnahmeeinrichtung eintrifft, an die
er weitergeleitet worden ist,
2. die Aufnahmeeinrichtung verlassen hat und innerhalb einer Woche nicht
zurückgekehrt ist,
3. einer Zuweisungsverfügung oder einer Verfügung nach § 60
Abs. 2 Satz 1 innerhalb einer Woche nicht Folge geleistet hat oder
4. unter der von ihm angegebenen Anschrift oder der Anschrift der Unterkunft,
in der er Wohnung zu nehmen hat, nicht erreichbar ist;
die in Nummer 4 bezeichneten Voraussetzungen liegen vor, wenn der Ausländer
eine an die Anschrift bewirkte Zustellung nicht innerhalb von zwei Wochen
in Empfang genommen hat.
(2) Zuständig, die Ausschreibung zu veranlassen, sind die
Aufnahmeeinrichtung, die Ausländerbehörde, in deren Bezirk sich
der Ausländer aufzuhalten hat, und das Bundesamt. Die Ausschreibung
darf nur von hierzu besonders ermächtigten Personen veranlaßt
werden.
§ 67 Erlöschen der Aufenthaltsgestattung
(1) Die Aufenthaltsgestattung erlischt,
1. wenn der Ausländer nach § 18 Abs. 2 und 3 zurückgewiesen
oder zurückgeschoben wird,
1a. wenn der Ausländer nach § 33 Abs. 3 zurückgewiesen
wird,
2. wenn der Ausländer innerhalb von zwei Wochen, nachdem er um Asyl
nachgesucht hat, noch keinen Asylantrag gestellt hat,
3. im Falle der Rücknahme des Asylantrags mit der Zustellung der
Entscheidung des Bundesamtes,
4. wenn eine nach diesem Gesetz oder nach § 52 des Ausländergesetzes
erlassene Abschiebungsandrohung vollziehbar geworden ist,
5. mit der Bekanntgabe einer Abschiebungsanordnung nach § 34a,
6. im übrigen, wenn die Entscheidung des Bundesamtes unanfechtbar geworden
ist.
(2) Stellt der Ausländer den Asylantrag nach Ablauf der in Absatz 1
Nr. 2 genannten Frist, tritt die Aufenthaltsgestattung wieder in Kraft.
Zweiter Unterabschnitt
Aufenthalt nach Abschluß des Asylverfahrens
§ 68 Aufenthaltserlaubnis
(1) Dem Ausländer ist eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis zu erteilen,
wenn er unanfechtbar als Asylberechtigter anerkannt ist. Bis zur Erteilung
der Aufenthaltserlaubnis gilt sein Aufenthalt im Bundesgebiet als erlaubt.
(2) Absatz 1 gilt nicht, wenn der Ausländer aus schwerwiegenden
Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ausgewiesen worden
ist.
§ 69 Wiederkehr eines Asylberechtigten
(1) Im Falle einer Ausreise des Asylberechtigten erlischt die unbefristete
Aufenthaltserlaubnis nicht, solange er im Besitz eines gültigen, von
einer deutschen Behörde ausgestellten Reiseausweises für
Flüchtlinge ist.
(2) Der Ausländer hat auf Grund seiner Anerkennung als Asylberechtigter
keinen Anspruch auf erneute Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis, wenn er
das Bundesgebiet verlassen hat und die Zuständigkeit für die
Ausstellung eines Reiseausweises für Flüchtlinge auf einen anderen
Staat übergegangen ist.
§ 70 Aufenthaltsbefugnis
(1) Dem Ausländer ist eine Aufenthaltsbefugnis zu erteilen, wenn das
Bundesamt oder ein Gericht unanfechtbar das Vorliegen der Voraussetzungen
des § 51 Abs. 1 des Ausländergesetzes festgestellt hat und die
Abschiebung des Ausländers aus rechtlichen oder tatsächlichen
Gründen nicht nur vorübergehend unmöglich ist.
(2) Absatz 1 gilt nicht, wenn der Ausländer aus schwerwiegenden
Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ausgewiesen worden
ist.
Fünfter Abschnitt
Folgeantrag, Zweitantrag
§ 71 Folgeantrag
(1) Stellt der Ausländer nach Rücknahme oder unanfechtbarer Ablehnung
eines früheren Asylantrages erneut einen Asylantrag (Folgeantrag), so
ist ein weiteres Asylverfahren nur durchzuführen, wenn die Voraussetzungen
des § 51 Abs. 1 bis 3 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vorliegen; die
Prüfung obliegt dem Bundesamt. Das gleiche gilt, wenn der Ausländer
eine Erklärung nach § 32a Abs. 1 Satz 4 des Ausländergesetzes
abgegeben hatte.
(2) Der Ausländer hat den Folgeantrag persönlich bei der
Außenstelle des Bundesamtes zu stellen, die der Aufnahmeeinrichtung
zugeordnet ist, in der er während des früheren Asylverfahrens zu
wohnen verpflichtet war. In den Fällen des § 14 Abs. 2 Satz 1 Nr.
2 oder wenn der Ausländer nachweislich am persönlichen Erscheinen
gehindert ist, ist der Folgeantrag schriftlich zu stellen. Der Folgeantrag
ist schriftlich bei der Zentrale des Bundesamtes zu stellen, wenn
1. die Außenstelle, die nach Satz 1 zuständig wäre, nicht
mehr besteht
2. der Ausländer während des früheren Asylverfahrens nicht
verpflichtet war, in einer Aufnahmeeinrichtung zu wohnen, oder
3. der Ausländer eine Erklärung nach § 32a Abs. 1 Satz 4 des
Ausländergesetzes abgegeben hatte.
§ 14 Abs. 3 gilt entsprechend. § 19 Abs. 1 findet keine Anwendung.
(3) In dem Folgeantrag hat der Ausländer seine Anschrift sowie die Tatsachen
und Beweismittel anzugeben, aus denen sich das Vorliegen der Voraussetzungen
des § 51 Abs. 1 bis 3 des Verwaltungsverfahrensgesetzes ergibt. Auf
Verlangen hat der Ausländer diese Angaben schriftlich zu machen. Von
einer Anhörung kann abgesehen werden. § 10 gilt entsprechend.
(4) Liegen die Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 bis 3 des
Verwaltungsverfahrensgesetzes nicht vor, sind die §§ 34, 35 und
36 entsprechend anzuwenden; im Falle der Abschiebung in einen sicheren Drittstaat
(§ 26a) ist § 34a entsprechend anzuwenden.
(5) Stellt der Ausländer innerhalb von zwei Jahren, nachdem eine nach
Stellung des früheren Asylantrages ergangene Abschiebungsandrohung oder
-anordnung vollziehbar geworden ist, einen Folgeantrag, der nicht zur
Durchführung eines weiteren Verfahrens führt, so bedarf es zum
Vollzug der Abschiebung keiner erneuten Fristsetzung und Abschiebungsandrohung
oder -anordnung. Die Abschiebung darf erst nach einer Mitteilung des Bundesamtes,
daß die Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 bis 3 des
Verwaltungsverfahrensgesetzes nicht vorliegen, vollzogen werden, es sei denn,
der Folgeantrag ist offensichtlich unschlüssig oder der Ausländer
soll in den sicheren Drittstaat abgeschoben werden.
(6) Absatz 5 gilt auch, wenn der Ausländer zwischenzeitlich das Bundesgebiet
verlassen hatte. Im Falle einer unerlaubten Einreise aus einem sicheren
Drittstaat (§ 26a) kann der Ausländer nach § 61 Abs. 1 des
Ausländergesetzes dorthin zurückgeschoben werden, ohne daß
es der vorherigen Mitteilung des Bundesamtes bedarf.
(7) War der Aufenthalt des Ausländers während des früheren
Asylverfahrens räumlich beschränkt, gilt die letzte räumliche
Beschränkung fort, solange keine andere Entscheidung ergeht. In den
Fällen der Absätze 5 und 6 ist für ausländerrechtliche
Maßnahmen auch die Ausländerbehörde zuständig, in deren
Bezirk sich der Ausländer aufhält.
(8) Ein Folgeantrag steht der Anordnung von Abschiebungshaft nicht entgegen,
es sei denn, es wird ein weiteres Asylverfahren durchgeführt.
§ 71a Zweitantrag
(1) Stellt der Ausländer nach erfolglosem Abschluß eines
Asylverfahrens in einem sicheren Drittstaat (§ 26a), mit dem die
Bundesrepublik Deutschland einen völkerrechtlichen Vertrag über
die Zuständigkeit für die Durchführung von Asylverfahren
geschlossen hat, im Bundesgebiet einen Asylantrag (Zweitantrag), so ist ein
weiteres Asylverfahren nur durchzuführen, wenn die Bundesrepublik
Deutschland für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig
ist und die Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 bis 3 des
Verwaltungsverfahrensgesetzes vorliegen; die Prüfung obliegt dem Bundesamt.
(2) Für das Verfahren zur Feststellung, ob ein weiteres Asylverfahren
durchzuführen ist, gelten die §§ 12 bis 25, 33, 44 bis 54
entsprechend. Von der Anhörung kann abgesehen werden, soweit sie für
die Feststellung, daß kein weiteres Asylverfahren durchzuführen
ist, nicht erforderlich ist. § 71 Abs. 8 gilt entsprechend.
(3) Der Aufenthalt des Ausländers gilt als geduldet. Die §§
56 bis 67 gelten entsprechend.
(4) Wird ein weiteres Asylverfahren nicht durchgeführt, sind die
§§ 34 bis 36, 41 bis 43a entsprechend anzuwenden.
(5) Stellt der Ausländer nach Rücknahme oder unanfechtbarer Ablehnung
eines Zweitantrages einen weiteren Asylantrag, gilt § 71.
Sechster Abschnitt
Erlöschen der Rechtsstellung
§ 72 Erlöschen
(1) Die Anerkennung als Asylberechtigter und die Feststellung, daß
die Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 des Ausländergesetzes vorliegen,
erlöschen, wenn der Ausländer
1. sich freiwillig durch Annahme oder Erneuerung eines Nationalpasses oder
durch sonstige Handlungen erneut dem Schutz des Staates, dessen
Staatsangehörigkeit er besitzt, unterstellt,
2. nach Verlust seiner Staatsangehörigkeit diese freiwillig wiedererlangt
hat,
3. auf Antrag eine neue Staatsangehörigkeit erworben hat und den Schutz
des Staates, dessen Staatsangehörigkeit er erworben hat, genießt
oder
4. auf sie verzichtet oder vor Eintritt der Unanfechtbarkeit der Entscheidung
des Bundesamtes den Antrag zurücknimmt.
(2) Der Ausländer hat einen Anerkennungsbescheid und einen Reiseausweis
unverzüglich bei der Ausländerbehörde abzugeben.
§ 73 Widerruf und Rücknahme
(1) Die Anerkennung als Asylberechtigter und die Feststellung, daß
die Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 des Ausländergesetzes vorliegen,
sind unverzüglich zu widerrufen, wenn die Voraussetzungen für sie
nicht mehr vorliegen. In den Fällen des § 26 ist die Anerkennung
als Asylberechtigter ferner zu widerrufen, wenn die Anerkennung des
Asylberechtigten, von dem die Anerkennung abgeleitet worden ist, erlischt,
widerufen oder zurückgenommen wird und der Ausländer aus anderen
Gründen nicht als Asylberechtigter anerkannt werden könnte. Von
einem Widerruf ist abzusehen, wenn sich der Ausländer auf zwingende,
auf früheren Verfolgungen beruhende Gründe berufen kann, um die
Rückkehr in den Staat abzulehnen, dessen Staatsangehörigkeit er
besitzt, oder in dem er als Staatenloser seinen gewöhnlichen Aufenthalt
hatte.
(2) Die Anerkennung als Asylberechtigter ist zurückzunehmen, wenn sie
auf Grund unrichtiger Angaben oder infolge Verschweigens wesentlicher Tatsachen
erteilt worden ist und der Ausländer auch aus anderen Gründen nicht
anerkannt werden könnte. Satz 1 findet auf die Feststellung, daß
die Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 des Ausländergesetzes vorliegen,
entsprechende Anwendung.
(3) Die Entscheidung, daß ein Abschiebungshindernis nach § 53
Abs. 1, 2, 4 oder 6 des Ausländergesetzes vorliegt, ist
zurückzunehmen, wenn sie fehlerhaft ist, und zu widerrufen, wenn die
Voraussetzungen nicht mehr vorliegen.
(4) Über Widerruf und Rücknahme entscheidet der Leiter des Bundesamtes
oder ein von ihm beauftragter Bediensteter. Dem Ausländer ist die
beabsichtigte Entscheidung schriftlich mitzuteilen und Gelegenheit zur
Äußerung zu geben. Ihm kann aufgegeben werden, sich innerhalb
eines Monats schriftlich zu äußern. Hat sich der Ausländer
innerhalb dieser Frist nicht geäußert, ist nach Aktenlage zu
entscheiden; der Ausländer ist auf diese Rechtsfolge hinzuweisen.
(5) Mitteilungen oder Entscheidungen des Bundesamtes, die eine Frist in Lauf
setzen, sind dem Ausländer zuzustellen.
(6) Im Falle der Unanfechtbarkeit des Widerrufs oder der Rücknahme der
Anerkennung als Asylberechtigter und der Feststellung, daß die
Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 des Ausländergesetzes vorliegen,
gilt § 72 Abs. 2 entsprechend.
§ 73a Ausländische Anerkennung als Flüchtling
(1) Ist bei einem Ausländer, der von einem ausländischen Staat
als Flüchtling im Sinne des Abkommens über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge anerkannt worden ist, die Verantwortung für die Ausstellung
des Reiseausweises auf die Bundesrepublik Deutschland übergegangen,
so erlischt seine Rechtsstellung als Flüchtling in der Bundesrepublik
Deutschland, wenn einer der in § 72 Abs. 1 genannten Umstände eintritt.
Der Ausländer hat den Reiseausweis unverzüglich bei der
Ausländerbehörde abzugeben.
(2) Dem Ausländer ist die Rechtsstellung als Flüchtling in der
Bundesrepublik Deutschland zu entziehen, wenn die Voraussetzungen des §
51 Abs. 1 des Ausländergesetzes nicht mehr vorliegen. § 73 Abs.
1 Satz 3 und Abs. 4 bis 6 ist entsprechend anzuwenden.
Siebenter Abschnitt
Gerichtsverfahren
§ 74 Klagefrist; Zurückweisung verspäteten Vorbringens
(1) Die Klage gegen Entscheidungen nach diesem Gesetz muß innerhalb
von zwei Wochen nach Zustellung der Entscheidung erhoben werden; ist der
Antrag nach § 80 Abs. 5 der Verwaltungsgerichtsordnung innerhalb einer
Woche zu stellen (§ 36 Abs. 3 Satz 1), ist auch die Klage innerhalb
einer Woche zu erheben.
(2) Der Kläger hat die zur Begründung dienenden Tatsachen und
Beweismittel binnen einer Frist von einem Monat nach Zustellung der Entscheidung
anzugeben. § 87b Abs. 3 der Verwaltungsgerichtsordnung gilt entsprechend.
Der Kläger ist über die Verpflichtung nach Satz 1 und die Folgen
der Fristversäumnis zu belehren. Das Vorbringen neuer Tatsachen und
Beweismittel bleibt unberührt.
§ 75 Aufschiebende Wirkung der Klage
Die Klage gegen Entscheidungen nach diesem Gesetz hat nur in den Fällen
der § 38 Abs. 1 und § 73 aufschiebende Wirkung.
§ 76 Einzelrichter
(1) Die Kammer soll in der Regel in Streitigkeiten nach diesem Gesetz den
Rechtsstreit einem ihrer Mitglieder als Einzelrichter zur Entscheidung
übertragen, wenn nicht die Sache besondere Schwierigkeiten
tatsächlicher oder rechtlicher Art aufweist oder die Rechtssache
grundsätzliche Bedeutung hat.
(2) Der Rechtsstreit darf dem Einzelrichter nicht übertragen werden,
wenn bereits vor der Kammer mündlich verhandelt worden ist, es sei denn,
daß inzwischen ein Vorbehalts-, Teil- oder Zwischenurteil ergangen
ist.
(3) Der Einzelrichter kann nach Anhörung der Beteiligten den Rechtsstreit
auf die Kammer zurückübertragen, wenn sich aus einer wesentlichen
Änderung der Prozeßlage ergibt, daß die Rechtssache
grundsätzlich Bedeutung hat. Eine erneute Übertragung auf den
Einzelrichter ist ausgeschlossen.
(4) In Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes entscheidet ein Mitglied
der Kammer als Einzelrichter. Der Einzelrichter überträgt den
Rechtsstreit auf die Kammer, wenn die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung
hat oder wenn er von der Rechtsprechung der Kammer abweichen will.
(5) Ein Richter auf Probe darf in den ersten sechs Monaten nach seiner Ernennung
nicht Einzelricher sein.
§ 77 Entscheidung des Gerichts
(1) In Streitigkeiten nach diesem Gesetz stellt das Gericht auf die Sach-
und Rechtslage im Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung ab; ergeht
die Entscheidung ohne mündliche Verhandlung, ist der Zeitpunkt
maßgebend, in dem die Entscheidung gefällt wird. § 74 Abs.
2 Satz 2 bleibt unberührt.
(2) Das Gericht sieht von einer weiteren Darstellung des Tatbestandes und
der Entscheidungsgründe ab, soweit es den Feststellungen und der
Begründung des angefochtenen Verwaltungsaktes folgt und dies in seiner
Entscheidung feststellt oder soweit die Beteiligten übereinstimmend
darauf verzichten.
§ 78 Rechtsmittel
(1) Das Urteil des Verwaltungsgerichts, durch das die Klage in
Rechtsstreitigkeiten nach diesem Gesetz als offensichtlich unzulässig
oder offensichtlich unbegründet abgewiesen wird, ist unanfechtbar. Das
gilt auch, wenn nur das Klagebegehren gegen die Entscheidung über den
Asylantrag als offensichtlich unzulässig oder offensichtlich
unbegründet, das Klagebegehren im übrigen hingegen als unzulässig
oder unbegründet abgewiesen worden ist.
(2) In den übrigen Fällen steht den Beteiligten die Berufung gegen
das Urteil des Verwaltungsgerichts zu, wenn sie von dem Oberverwaltungsgericht
zugelassen wird. Die Revision gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts findet
nicht statt.
(3) Die Berufung ist nur zuzulassen, wenn
1. die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung hat oder
2. das Urteil von einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts, des
Bundesverwaltungsgerichts, des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe
des Bundes oder des Bundesverfassungsgerichts abweicht und auf dieser Abweichung
beruht oder
3. ein in § 138 der Verwaltungsgerichtsordnung bezeichneter Verfahrensmangel
geltend gemacht wird und vorliegt.
(4) Die Zulassung der Berufung ist innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung
des Urteils zu beantragen. Der Antrag ist bei dem Verwaltungsgericht zu stellen.
Er muß das angefochtene Urteil bezeichnen. In dem Antrag sind die
Gründe, aus denen die Berufung zuzulassen ist, darzulegen. Die Stellung
des Antrags hemmt die Rechtskraft des Urteils.
(5) Über den Antrag entscheidet das Oberverwaltungsgericht durch
Beschluß, der keiner Begründung bedarf. Mit der Ablehnung des
Antrags wird das Urteil rechtskräftig. Läßt das
Oberverwaltungsgericht die Berufung zu, wird das Antragsverfahren als
Berufungsverfahren fortgesetzt; der Einlegung einer Berufung bedarf es nicht.
(6) (gestrichen)
(7) Ein Rechtsbehelf nach § 84 Abs. 2 der Verwaltungsgerichtsordnung
ist innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung des Gerichtsbescheids zu erheben.
§ 79 Besondere Vorschriften für das Berufungsverfahren
(1) In dem Verfahren vor dem Oberverwaltungsgericht gilt in bezug auf
Erklärungen und Beweismittel, die der Kläger nicht innerhalb der
Frist des § 74 Abs. 2 Satz 1 vorgebracht hat, § 128a der
Verwaltungsgerichtsordnung entsprechend.
(2) § 130 der Verwaltungsgerichtsordnung findet keine Anwendung.
§ 80 Ausschluß der Beschwerde
Entscheidungen in Rechtsstreitigkeiten nach diesem Gesetz können
vorbehaltlich des § 133 Abs. 1 der Verwaltungsgerichtsordnung nicht
mit der Beschwerde angefochten werden.
§ 80a Ruhen des Verfahrens
(1) Für das Klageverfahren gilt § 32a Abs. 1 entsprechend. Das
Ruhen hat auf den Lauf von Fristen für die Einlegung oder Begründung
von Rechtsbehelfen keinen Einfluß.
(2) Die Klage gilt als zurückgenommen, wenn der Kläger nicht innerhalb
eines Monats nach Ablauf der Geltungsdauer der Aufenthaltsbefugnis nach §
32a des Ausländergesetzes dem Gericht anzeigt, daß er das
Klageverfahren fortführen will.
(3) Das Bundesamt unterrichtet das Gericht unverzüglich über die
Erteilung und den Ablauf der Geltungsdauer der Aufenthaltsbefugnis nach §
32a des Ausländergesetzes.
§ 81 Nichtbetreiben des Verfahrens
Die Klage gilt in einem gerichtlichen Verfahren nach diesem Gesetz als
zurückgenommen, wenn der Kläger das Verfahren trotz Aufforderung
des Gerichts länger als einen Monat nicht betreibt. Der Kläger
trägt die Kosten des Verfahrens. In der Aufforderung ist der Kläger
auf die nach Satz 1 und 2 eintretenden Folgen hinzuweisen.
§ 82 Akteneinsicht in Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes
In Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes wird Akteneinsicht auf der
Geschäftsstelle des Gerichts gewährt. Die Akten können dem
bevollmächtigten Rechtsanwalt zur Mitnahme in seine Wohnung oder
Geschäftsräume übergeben werden, wenn ausgeschlossen werden
kann, daß sich das Verfahren dadurch verzögert. Für die
Versendung von Akten gilt Satz 2 entsprechend.
§ 83 Besondere Spruchkörper
(1) Streitigkeiten nach diesem Gesetz sollen in besonderen Spruchkörpern
zusammengefaßt werden.
(2) Die Landesregierungen können bei den Verwaltungsgerichten für
Streitigkeiten nach diesem Gesetz durch Rechtsverordnung besondere
Spruchkörper bilden und deren Sitz bestimmen. Die Landesregierungen
können die Ermächtigung auf andere Stellen übertragen. Die
nach Satz 1 gebildeten Spruchkörper sollen ihren Sitz in räumlicher
Nähe zu den Aufnahmeeinrichtungen haben.
§ 83a Unterrichtung der Ausländerbehörde
Das Gericht darf der Ausländerbehörde das Ergebnis eines Verfahrens
formlos mitteilen.
§ 83b Gerichtskosten, Gegenstandswert
(1) Gerichtskosten (Gebühren und Auslagen) werden in Streitigkeiten
nach diesem Gesetz nicht erhoben.
(2) In Streitigkeiten nach diesem Gesetz beträgt der Gegenstandswert
in Klageverfahren, die die Asylanerkennung einschließlich der Feststellung
der Voraussetzungen nach § 51 Abs. 1 des Ausländergesetzes und
die Feststellung von Abschiebungshindernissen betreffen, 6000 Deutsche Mark,
in sonstigen Klageverfahren 3000 Deutsche Mark. In Verfahren des
vorläufigen Rechtsschutzes wegen aufenthaltsbeendender Maßnahmen
nach diesem Gesetz beträgt der Gegenstandswert 3000 Deutsche Mark, im
übrigen die Hälfte des Wertes der Hauptsache. Sind mehrere
natürliche Personen an demselben Verfahren beteiligt, erhöht sich
der Wert für jede weitere Person in Klageverfahren um 1500 Deutsche
Mark und in Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes um 750 Deutsche
Mark.
Achter Abschnitt
Straf- und Bußgeldvorschriften
§ 84 Verleitung zur mißbräuchlichen Asylantragstellung
(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft,
wer einen Ausländer verleitet oder dabei unterstützt, im Asylverfahren
vor dem Bundesamt oder im gerichtlichen Verfahren unrichtige oder
unvollständige Angaben zu machen, um seine Anerkennung als Asylberechtigter
oder die Feststellung, daß die Voraussetzungen des § 51 Abs. 1
des Ausländergesetzes vorliegen, zu ermöglichen.
(2) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe bis
zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Ein besonders schwerer Fall liegt in
der Regel vor, wenn der Täter
1. für eine in Absatz 1 bezeichnete Handlung einen Vermögensvorteil
erhält oder sich versprechen läßt oder
2. wiederholt oder zugunsten von mehr als fünf Ausländern handelt.
(3) Mit Freiheisstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren wird bestraft,
wer in den Fällen des Absatzes 1
1. gewerbsmäßig oder
2. als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung solcher
Taten verbunden hat,
handelt.
(4) Der Versuch ist strafbar.
(5) In den Fällen des Absatzes 3 Nr. 1 ist § 73d des Strafgesetzbuches
anzuwenden. In den Fällen des Absatzes 3 Nr. 2 sind die §§
43a, 73d des Strafgesetzbuches anzuwenden
(6) Wer die Tat nach Absatz 1 zugunsten eines Angehörigen im Sinne des
§ 11 Abs. 1 Nr. 1 des Strafgesetzbuches begeht, ist straffrei.
§ 84a Gewerbs- und bandenmäßige Verleitung zur
mißbräuchlichen Asylantragstellung
(1) Mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren wird bestraft,
wer in den Fällen des § 84 Abs. 1 als Mitglied einer Bande, die
sich zur fortgesetzten Begehung solcher Taten verbunden hat,
gewerbsmäßig handelt.
(2) In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs
Monaten bis zu fünf Jahren.
(3) Die §§ 43a, 73d des Strafgesetzbuches sind anzuwenden.
§ 85 Sonstige Straftaten
Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft,
wer
1. entgegen § 50 Abs. 6, auch in Verbindung mit § 71a Abs. 2 Satz
1, sich nicht unverzüglich zu der angegebenen Stelle begibt,
2. wiederholt einer Aufenthaltsbeschränkung nach § 56 Abs. 1 oder
2, jeweils auch in Verbindung mit § 71a Abs. 3, zuwiderhandelt,
3. einer vollziehbaren Auflage nach § 60 Abs. 1, auch in Verbindung
mit § 71a Abs. 3, mit der die Ausübung einer Erwerbstätigkeit
verboten oder beschränkt wird, zuwiderhandelt,
4. einer vollziehbaren Anordnung nach § 60 Abs. 2 Satz 1, auch in Verbindung
mit § 71a Abs. 3,
nicht rechtzeitig nachkommt oder
5. entgegen § 61 Abs. 1, auch in Verbindung mit § 71a Abs. 3, eine
Erwerbstätigkeit ausübt.
§ 86 Bußgeldvorschriften
(1) Ordnungswidrig handelt ein Ausländer, der einer
Aufenthaltsbeschränkung nach § 56 Abs. 1 oder 2, jeweils auch in
Verbindung mit § 71a Abs. 3, zuwiderhandelt.
(2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu fünftausend
Deutsche Mark geahndet werden.
Neunter Abschnitt
Übergangs- und Schlußvorschriften
§ 87 Übergangsvorschriften
(1) Für das Verwaltungsverfahren gelten folgende
Übergangsvorschriften:
1. Bereits begonnene Asylverfahren sind nach bisher geltendem Recht zu Ende
zu führen, wenn vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes das Bundesamt
seine Entscheidung an die Ausländerbehörde zur Zustellung abgesandt
hat. Ist das Asylverfahren vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes
bestandskräftig abgeschlossen, ist das Bundesamt für die Entscheidung,
ob Abschiebungshindernisse nach § 53 des Ausländergesetzes vorliegen,
und für den Erlaß einer Abschiebungsandrohung nur zuständig,
wenn ein erneutes Asylverfahren durchgeführt wird.
2. Über Folgeanträge, die vor Inkrafttreten dieses Gesetzes gestellt
worden sind, entscheidet die Ausländerbehörde nach bisher geltendem
Recht.
3. Bei Ausländern, die vor Inkrafttreten dieses Gesetzes einen Asylantrag
gestellt haben, richtet sich die Verteilung auf die Länder nach bisher
geltendem Recht.
(2) Für die Rechtsbehelfe und das gerichtliche Verfahren gelten folgende
Übergangsvorschriften:
1. In den Fällen des Absatzes 1 Nr. 1 und 2 richtet sich die Klagefrist
nach bisher geltendem Recht; die örtliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts bestimmt sich nach § 52 Nr. 2 Satz 3 der
Verwaltungsgerichtsordnung in der bis zum Inkrafttreten dieses Gesetzes geltenden
Fassung.
2. Die Zulässigkeit eines Rechtsbehelfs gegen einen Verwaltungsakt richtet
sich nach bisher geltendem Recht, wenn der Verwaltungsakt vor Inkrafttreten
dieses Gesetzes bekanntgegeben worden ist.
3. Die Zulässigkeit eines Rechtsmittels gegen eine gerichtliche Entscheidung
richtet sich nach bisher geltendem Recht, wenn die Entscheidung vor Inkrafttreten
dieses Gesetzes verkündet oder von Amts wegen anstelle einer
Verkündung zugestellt worden ist.
4. Hat ein vor Inkrafttreten dieses Gesetzes eingelegter Rechtsbehelf nach
bisher geltendem Recht aufschiebende Wirkung, finden die Vorschriften dieses
Gesetzes über den Ausschluß der aufschiebenden Wirkung keine
Anwendung.
5. Ist in einem gerichtlichen Verfahren vor Inkrafttreten dieses Gesetzes
eine Aufforderung nach § 33 des Asylverfahrensgesetzes in der Fassung
der Bekanntmachung vom 9. April 1991 (BGBl. I S. 869), geändert durch
Artikel 7 § 13 in Verbindung mit Artikel 11 des Gesetzes vom 12. September
1990 (BGBl. I S. 2002), erlassen worden, gilt insoweit diese Vorschrift fort.
§ 87a Übergangsvorschriften aus Anlaß der am 1. Juli 1993
in Kraft getretenen Änderungen
(1) Soweit in den folgenden Vorschriften nicht etwas anderes bestimmt ist,
gelten die Vorschriften dieses Gesetzes mit Ausnahme der §§ 26a
und 34a auch für Ausländer, die vor dem 1. Juli 1993 einen Asylantrag
gestellt haben. Auf Ausländer, die aus einem Mitgliedstaat der
Europäischen Gemeinschaften oder aus einem in der Anlage I bezeichneten
Staat eingereist sind, finden die §§ 27, 29 Abs. 1 und 2 entsprechende
Anwendung.
(2) Für das Verwaltungsverfahren gelten folgende
Übergangsvorschriften:
1. § 10 Abs. 2 Satz 2 und 3, Abs. 3 und 4 findet Anwendung, wenn der
Ausländer insoweit ergänzend schriftlich belehrt worden ist.
2. § 33 Abs. 2 gilt nur für Ausländer, die nach dem 1. Juli
1993 in ihren Herkunftsstaat ausreisen.
3. Für Folgeanträge, die vor dem 1. Juli 1993 gestellt worden sind,
gelten die Vorschriften der §§ 71 und 87 Abs. 1 Nr. 2 in der bis
zu diesem Zeitpunkt geltenden Fassung.
(3) Für die Rechtsbehelfe und das gerichtliche Verfahren gelten folgende
Übergangsvorschriften:
1. Die Zulässigkeit eines Rechtsbehelfs gegen einen Verwaltungsakt richtet
sich nach dem bis zum 1. Juli 1993 geltenden Recht, wenn der Verwaltungsakt
vor diesem Zeitpunkt bekanntgegeben worden ist.
2. Die Zulässigkeit eines Rechtsbehelfs gegen eine gerichtliche Entscheidung
richtet sich nach dem bis zum 1. Juli 1993 geltenden Recht, wenn die Entscheidung
vor diesem Zeitpunkt verkündet oder von Amts wegen anstelle einer
Verkündung zugestellt worden ist.
3. § 76 Abs. 4 findet auf Verfahren, die vor dem 1. Juli 1993 anhängig
geworden sind, keine Anwendung.
4. Die Wirksamkeit einer vor dem 1. Juli 1993 bereits erfolgten Übertragung
auf den Einzelrichter bleibt von § 76 Abs. 5 unberührt.
5. § 83 Abs. 1 ist bis zum 31. Dezember 1993 nicht anzuwenden.
§ 88 Verordnungsermächtigungen
(1) Das Bundesministerium des Innern bestimmt durch Rechtsverordnung mit
Zustimmung des Bundesrates die zuständigen Behörden für die
Ausführung völkerrechtlicher Verträge über die
Zuständigkeit für die Durchführung von Asylverfahren hinsichtlich
1. der Übermittlung eines Ersuchens an einen anderen Vertragsstaat,
einen Ausländer zur Behandlung des Asylbegehrens zu übernehmen,
2. der Entscheidung über das Ersuchen eines anderen Vertragsstaates,
einen Ausländer zur Behandlung des Asylbegehrens zu übernehmen,
3. der Übermittlung eines Rückübernahmeantrages an einen anderen
Vertragsstaat,
4. der Entscheidung über einen Rückübernahmeantrag eines anderen
Vertragsstaates und
5. des Informationsaustausches.
(2) Die Landesregierung kann durch Rechtsverordnung Aufgaben der
Aufnahmeeinrichtung auf andere Stellen des Landes übertragen.
§ 89 Einschränkung von Grundrechten
(1) Die Grundrechte der körperlichen Unversehrtheit (Artikel 2 Abs.
2 Satz 1 des Grundgesetzes) und der Freiheit der Person (Artikel 2 Abs. 2
Satz 2 des Grundgesetzes) werden nach Maßgabe dieses Gesetzes
eingeschränkt.
(2) Das Verfahren bei Freiheitsentziehungen richtet sich nach dem Gesetz
über das gerichtliche Verfahren bei Freiheitsentziehungen in der im
Bundesgesetzblatt Teil III, Gliederungsnummer 316-1, veröffentlichten
bereinigten Fassung, zuletzt geändert durch Artikel 7 § 21 des
Gesetzes vom 12. September 1990 (BGBl. I S. 2002).
§ 90 Allgemeine Verwaltungsvorschriften
Das Bundesministerium des Innern erläßt mit Zustimmung des Bundesrates
allgemeine Verwaltungsvorschriften zu diesem Gesetz.
Anlage I (zu § 26a)
Finnland
Norwegen
Österreich
Polen
Schweden
Schweiz
Tschechische Republik
Anlage II (zu § 29a)
Bulgarien
Ghana
Polen
Rumänien
Senegal
Slowakische Republik
Tschechische Republik
Ungarn
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